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16.01.2017

Heinz Hödl: "Weltwirtschaftsforum dient zur Befriedigung großer Eitelkeiten führender Politiker und Wirtschafter"

Das im schweizerischen Davos tagende Weltwirtschaftsforum hat laut dem kirchlichen Experten für Entwicklungszusammenarbeit ein ernstes Imageproblem.

 

Heinz Hödl ist Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO). Im Jänner 2014 hat er den Vorsitz der internationalen Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Hilfswerke CIDSE übernommen. Aus seiner täglichen Arbeit weiß er, wie sich politische und wirtschaftliche Entscheidungen auf das Leben der Menschen in der ganzen Welt auswirken können.

 

Was halten Sie persönlich von diesem Treffen der politischen und wirtschaftlichen Führungskräfte in Davos?


Heinz Hödl: Es scheint fast so, als sei das Weltwirtschaftsforum eine Veranstaltung zur Befriedigung großer Eitelkeiten führender Politiker und Wirtschafter. Es besteht also ein echtes Imageproblem. Persönlich finde ich es trotzdem wichtig, dass es diese Gespräche gibt. Wenn ich eingeladen werden würde, würde ich teilnehmen, denn mit engagierten und fundierten Beiträgen kann man etwas zum Positiven bewegen.


Welche Botschaft haben Sie an die globalen Leader?


Heinz Hödl: Die Verantwortung von Staaten verlagert sich auf die Privatwirtschaft, die über ihr Handeln keine Rechenschaft ablegen muss. Der Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit muss mehr als ein Lippenbekenntnis sein, dem unzureichende Taten folgen. Vor allem die größeren Konzerne müssen strengere Regeln zum Schutz von Klima, Umwelt, Sozialstandards und Verbraucherrechte nicht als Last sondern als Chance begreifen.

 

Dienen Sie den Armen, setzen Sie sich für Gerechtigkeit ein, setzen Sie auf die Kraft weltweiter Solidarität und einen tiefgreifenden Wandel, um auf globaler und lokaler Ebene der Armut, sozialer Ungleichheit und Umweltzerstörung ein Ende zu setzen.

 

Welche Alternative zu einer neoliberalen Wirtschaftsordnung ist notwendig?
 

Heinz Hödl: Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wurde die Vision von einer Welt entwickelt, in der alles Leben gedeihen kann. Für einen Wandel halte ich für erforderlich:

  • eine gerechtere Verteilung und begrenzte Nutzung der weltweiten Ressourcen;
  • Schaffung demokratischer Regierungsstrukturen, gesellschaftliche Mitbestimmung und Geschlechtergerechtigkeit, wobei globale Regeln lokale Alternativen stärken sollen;
  • Volkswirtschaften mit diversifizierten, dezentralen Strukturen und Akteuren, die auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind;
  • Wiederbelebung einer Solidarität auf der Grundlage von Gerechtigkeit und gemeinsamer Verantwortung aller Völker.