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16.01.2017

Weltwirtschaftsforum Davos: ein Ort im Ausnahmezustand

Wie beeinflusst das Treffen globaler Führungskräfte das Leben der christlichen Gemeinden in dem Schweizer Tourismusort?

 

Für das Jahrestreffen 2017 des World Economic Forum in Davos werden vom 17. bis 20. Jänner rund 2.500 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Kultur erwartet. In dieser Zeit wird der Ferienort im schweizerischen Kanton Graubünden aufgrund vieler Sicherheitsmaßnahmen wieder in Ausnahmezustand versetzt. Was für viele globale Führungskräfte der Höhepunkt des Jahres ist, wird von Seiten der christlichen Pfarren und Gemeinden in Davos aber eher kontroversiell betrachtet: "Das ganze Vereinsleben erstarrt gewissermaßen", berichtet der katholische Pfarrer Kurt Benedikt Susak. "Auch der gesamte Schulbetrieb wird eingestellt und die Schülerinnen und Schüler auf Schneesporttage geschickt." Die Gottesdienste in der Pfarrkirche "Mariä Empfängnis" können jedoch ganz normal gefeiert werden, so Susak. Der Pfarrer denkt gerne an die Begegnungen und Gespräche in den vergangenen Jahren mit den Kardinälen Peter Turkson, Reinhard Marx oder Luis Antonio Tagle zurück, die er während ihres Aufenthalts in Davos begleitet hat und die teilweise auch im Pfarrhaus übernachtet haben.


Die reformierte Kirchgemeinde Davos Dorf wird in besonderer Weise vom Forum berührt, "da die kleine Kirche St. Theodul in der Sicherheitszone liegt", sagt Pfarrerin Christa Leidig gegenüber dem SONNTAG. "In dieser Zeit ist die Kirche nur mit Sicherheitsleuten zugänglich und im Notfall kann die Gemeinde einen Zugang bei Beerdigungen erhalten. Die Sonntagsgottesdienste können trotzdem stattfinden."


Es gibt Skepsis gegenüber dem Weltwirtschaftsforum, sagt Cornelia Camichel Bromeis, Pfarrerin der evangelisch-reformierten Gemeinde „Davos Platz“. Diese werde aber kaum mehr ausgedrückt. „Skeptische Gemeindemitglieder verschwinden in dieser Woche aus dem Ort und leisten so passiven Widerstand. Dadurch gibt es keine großen öffentlichen Diskussionen. Demonstrationen mancher Gruppierungen sind in den vergangenen fünf Jahren, seit ich hier lebe, sehr zurückgegangen oder ganz verschwunden.“


Auch der evangelisch-methodistische Pfarrer von Davos, Stefan Pfister, meint, dass die Zahl der Skeptiker rückläufig sei. „Die Menschen leben in verschiedener Form vom Weltwirtschaftsforum. Dann ist es nicht so einfach, zu kritisch zu sein, weil das Forum  in gewisser Weise ‚Brotgeber‘ ist. Natürlich freuen sich viele nicht besonders auf diese zwei Wochen rund um das Treffen, weil Bewegungen innerhalb des Ortes stark eingeschränkt werden.“


Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos begleitet die Tage des Forums auch diesmal bewusst nicht mit einer Großveranstaltung, sondern setzt mit "Schweigen und Beten für Gerechtigkeit und Frieden" einen stillen und nachdenklichen Impuls. "Anliegen ist es, in der Kirche St. Johann auf jene Menschen aufmerksam zu machen, die unter Ungerechtigkeit in der Welt leiden", sagt Gastgeberin Cornelia Camichel Bromeis.