Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist das Andenken an Teddy Kollek allgegenwärtig.
Von 1965 bis 1993 war er Bürgermeister von Jerusalem, hat sich dabei stets für ein friedvolles Miteinander von Judentum, Christentum und Islam eingesetzt. Auch wenn das Zusammenleben der Religionen und Kulturen in Israel nach wie vor oft von Terror und Gewalt überschattet wird, sind seine Verdienste um ein friedliches Miteinander lebendig.
Langjährige Weggefährten und Personen, die Kollek gut gekannt haben, würdigen ihn als großen historischen Hoffnungsträger. Auch unser Kardinal Christoph Schönborn hat ihn in Wien und in Jerusalem persönlich kennen und schätzen gelernt: „Damit ein Miteinander dieser so unterschiedlichen Religionen und unterschiedlichen Strömungen innerhalb dieser Religionen auf engem Raum überhaupt möglich sind, brauchte es einen Teddy Kollek. Er hat mit Humor, Festigkeit, Mut und Weitsicht alles zusammengehalten.“
Theodor Kollek, genannt Teddy, war ein Jude, weltläufig und gebildet. Er wurde 1911 in der Nähe von Budapest geboren, aufgewachsen ist er in einem gutbürgerlichen Elternhaus in Wien.
1935 wanderte er in das britische Mandatsgebiet Palästina aus und gründete zusammen mit anderen den Kibbuz „Ein Gev“ am See Genezaret. 1939 erreichte er bei Adolf Eichmann in Wien durch engagiertes Verhandeln die Entlassung von 3000 tschechischen Jugendlichen aus einem Konzentrationslager. Später wurde Kollek Botschafter in Washington, 1952 wurde er Büroleiter des ersten israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion. Ab 1965 wurde er dann Bürgermeister von Jerusalem und verhalf der damals armen Stadt im Zuge seiner 26-jährigen Dienstzeit zu Glanz und Moderne.
Kardinal Christoph Schönborn erinnert sich gut an die persönlichen Treffen mit Kollek: „Unvergesslich ist vor allem meine letzte Begegnung mit ihm, er war damals schon über 90 Jahre alt. Wir trafen uns im Österreichischen Hospiz in Jerusalem, wo man viele Stiegen hinaufgehen muss, um ins Haus zu kommen. Obwohl es ihm aufgrund seines Alters schon sichtlich schwer gefallen ist, war es Teddy Kollek sehr wichtig, selbst diese Stiegen hinaufzugehen.
Wir hatten ein gemeinsames Frühstück und es war für mich eine unglaubliche Freude und Ehre, dass er dieses Haus besucht hat, das ihm so viel verdankt. Denn das Österreichische Hospiz war ja lange Zeit quasi enteignet. Ohne Teddy Kollek wäre die Rückgabe nie geschehen. Er hat als Bürgermeister die nötigen Schritte gesetzt, sodass das Hospiz in der Altstadt in Jerusalem heute ein Aushängeschild Österreichs ist - und für viele Pilger im Heiligen Land ein wichtiger Bezugsort.“
Neben der Rückgabe des Österreichischen Hospizes würdigt Kardinal Schönborn Kolleks Einsatz als Vermittler und Friedensstifter: „Teddy Kollek war wohl der unkonventionellste Bürgermeister, den man sich vorstellen kann. Er ging trotz der Sicherheitssorgen mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit unter die Menschen, er begegnete den Menschen offen, über Vorurteile hinweg. Er wollte, dass Jerusalem die Stadt ist, die sie in der Bibel ist, nämlich die Stadt des Friedens. Er hat an diese Vision zutiefst und aufrichtig geglaubt und dementsprechend gehandelt.“
Privat war er ein Lebemensch, der guten Wein, gutes Essen, Zigarren und gute Gesellschaft liebte. So beschreibt ihn Irène Pollak-Rein im Interview mit dem SONNTAG. Sie ist Leiterin der Abteilung für deutschsprachige Länder der Jerusalem Foundation und langjährige Mitarbeiterin von Teddy Kollek: „Er hat geraucht, ungesund gegessen, kaum geschlafen. Und trotzdem ist er 95 Jahre alt geworden. Doch viel Zeit für das Privatleben ist ihm nicht geblieben, da er fast durchgehend gearbeitet hat. Er war eine unglaublich aktive Persönlichkeit, hat für seinen Beruf und die Menschen von Jerusalem gelebt.
Er wollte für diese Stadt Gutes tun. Dabei konnte ihm nichts rasch genug gehen und alles musste bis ins kleinste Detail fundiert sein. Er wollte überall alle Details wissen, wollte sicher stellen, dass alles genauestens klappt. Er hat jeden Tag durchgehend gearbeitet, nahm die Sorgen der Menschen ernst. Er stellte unglaublich hohe Ansprüche an sich selbst und auch an alle anderen in seinem Umfeld.“
Seit 1991 war Teddy Kollek Ehrenbürger der Stadt Wien. Doch sein Verhältnis zur österreichischen Hauptstadt, in der er seine Kindheit und Jugend verbrachte, war für ihn persönlich lange Zeit ein sehr angespanntes, wie uns seine ehemalige Arbeitskollegin Pollak-Rein erzählt: „Seine Aussprache war typisch Wienerisch. Immer wenn er mit jemanden Deutsch gesprochen hat, ist er sofort in den Wiener Dialekt verfallen.
Aufgrund der Nazis hatte er aber sehr schreckliche Erinnerungen und ein sehr schlechtes Bild von Österreich und von Wien. Es wäre für ihn ausgeschlossen gewesen, Österreich zu besuchen. Erst die Rede von Franz Vranitzky hat das geändert. Danach entwickelte Teddy eine sehr enge Beziehung zu Bürgermeister Helmut Zilk und später zu Michael Häupl. Ehrenbürger der Stadt Wien zu sein, hat ihn sehr gefreut, denn dadurch wusste er, dass Wien stolz auf ihn ist.“ (Anm. der Redaktion: Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky gestand 1991 als erster offizieller Vertreter die von Österreichern begangenen Verbrechen während der Nazi-Zeit ein und bat in Folge öffentlich um Entschuldigung).
Aussöhnung mit Wien und Österreich
Teddy Kollek hat vor allem in den letzten Jahren seines Lebens intensive Kontakte zu Österreich gepflegt. Am 22. September 1997 war er unter anderem Ehrengast bei der Eröffnung des 2. Theodor-Herzl-Symposiums im Wiener Rathaus, wo er Alt-Erzbischof Kardinal Franz König und Kardinal Christoph Schönborn getroffen hat: „Seit diesem Zeitpunkt sind wir uns mehrmals begegnet. Einmal habe ich ihm dabei ein Geschenk aus Wien mitgebracht, eine kleine Fiale mit einem mittelalterlichen Stück des Stephansdomes. Damit wollte ich ihm sagen, dass wir ihn sehr gerne haben, ihm sehr dankbar – und mit ihm sehr verbunden sind. Ich hatte das Gefühl, dass er sich darüber sehr gefreut hat“, erzählt Kardinal Schönborn über seine letzte Begegnung mit Kollek.
Schönborn ist Mitglied des Österreichischen Kapitels der von Teddy Kollek 1966 gegründeten „ Jerusalem Foundation“. Diese Stiftung arbeitet auch nach Kolleks Tod in seinem Sinne weiter. Dazu zählt die Förderung unterprivilegierter Wohnviertel in Jerusalem, ebenso, wie der interkulturelle Austausch. Dabei wurde zum Beispiel vor kurzem mit österreichischer Beteiligung ein Sozialprojekt für christliche Senioren in der Altstadt von Jerusalem geschaffen.
Anlässlich des zehnten Todestages von Teddy Kollek gibt es am Montag, 16. Jänner, eine Gedenkveranstaltung im Wiener Rathaus. Dabei sprechen langjährige Weggefährten über das Erbe Kolleks, u.a. Irène Pollak-Rein (Teddy Kollek – ein Leben für Jerusalem.
Infos unter: www.wienervorlesungen.at)