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09.01.2017
Neues Interviewbuch

Franziskus erläutert Grundsätze seiner Auslandsreisen

Interview über Reise-Erfahrungen Teil eines neuen Buches von Vatikanjournalist Tornielli.

Papst Franziskus hat in einem am Sonntag, 8. Jänner 2017 in Italien verbreiteten Interview seine Grundsätze für Auslandsreisen - es sind mittlerweile 17 - dargelegt. Das Interview ist Bestandteil eines neuen Buches aus dem Verlag "Piemme" mit dem Titel "In Viaggio" (Auf der Reise). Verfasser des Buches, das am Dienstag in den Handel kommt, ist der bekannte Vatikanjournalist Andrea Tornielli von der Zeitung "La Stampa". Der Papst betont darin, dass seine bevorzugten Destinationen Länder an der Peripherie seien, in denen er bei der Überwindung vorhandener Konflikte oder Probleme helfen wolle.

In dem langen Interview mit Tornielli erzählt Franziskus laut Radio Vatikan, was ihm bei Reisen im Gedächtnis bleibt und wieso er auf die zeremoniellen Mittagessen mit den Autoritäten der besuchten Länder lieber verzichtet. Grundsätzlich sei es so, dass er nicht gerne reise. Seine erste Flugreise als Pontifex hatte ihn nach Lampedusa geführt. Diese Reise sei "spontan und ungeplant" gewesen. Sie erfolgte aus dem Gefühl heraus, "Trost spenden zu müssen und den Menschen vor Ort Mut zuzusprechen".

Daran anschließend sei der Weltjugendtag in Rio de Janeiro gekommen. Die sei "ein fixer Programmpunkt in der Agenda der Päpste", an dem er "nicht rütteln wollte", gestand Franziskus in dem Gespräch, das dem Buch über seine Reisen vorangestellt ist. Die Reise in das lateinamerikanische Land sei gleichzeitig der erste Prüfstein für den Sicherheitsapparat gewesen, der die Päpste auf ihren Reisen begleitet.

Er sei den Gendarmen und Schweizer Gardisten, die für seine Sicherheit sorgten, dankbar, so Franziskus. Doch ein Papst sei ein Hirte, so dass sich nicht zu viele Barrieren zwischen ihm und den Menschen befinden dürften. Deshalb habe er von Anfang an klar gestellt, dass er nur dann Reisen unternehme, wenn ihm der Kontakt mit den Menschen möglich sei.

Stofftiere, Geschenke und alle möglichen weiteren Objekte waren dem Papst bei Gelegenheit des Weltjugendtages ins offene Papamobil geworfen worden, was nicht wenig Nervosität bei Beobachtern und insbesondere den Sicherheitskräften ausgelöst hatte. Er habe jedoch nicht so sehr Angst um sich selbst wie um die Menschen, die mit ihm reisten oder ihn treffen wollten, so der Papst.


Europa muss sich auf Wurzeln und Werte besinnen

Am ehesten könne er bei Reisen auf das traditionelle Gala-Essen mit den Autoritäten des Landes verzichten, erzählte Franziskus weiter. Zwar habe er nichts gegen gesellige Zusammentreffen. Doch wenn die Agenda so dicht bestückt sei, wie das auf Auslandsreisen normalerweise der Fall sei, dann verzichte er lieber auf ein langwieriges Essen, um mehr Zeit für die Begegnung mit den Menschen zu haben.

Auf die Frage, warum der Papst bislang die Länder der Europäischen Union auf seinen Reisen größtenteils gemieden habe, antwortete er, dass er neben Griechenlands Insel Lesbos, die er gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios besucht habe, auch die Europäischen Institutionen in Straßburg aufgesucht habe. Stattdessen habe er andere Länder besucht, die zwar nicht zu Europa im engeren Sinn gehörten, aber dennoch europäische seien, wie Bosnien Herzegowina und Albanien. Es sei ihm ein Anliegen, vor allem Länder zu besuchen, die Konflikte lebten oder in Schwierigkeiten seien, um Mut zu machen und eine kleine Hilfestellung zu geben.

Das bedeute jedoch nicht, Europa keine Beachtung zu schenken, so der Papst. Vielmehr lade er Europa dazu ein, sich auf seine Wurzeln und gemeinsamen Werte zu besinnen. Denn es seien nicht die Hochfinanz oder die Bürokratie, die Probleme lösen könnten - insbesondere "das größte Problem Europas seit dem Zweiten Weltkrieg, nämlich die Immigration".


Papst wie "Esel, der Jesus trägt"

Wenn er den Enthusiasmus der Menschen sehe, die in bei seinen Reisen an der Straße grüßen und mit Hoch-Rufen empfangen, müsse er immer an einen Satz seines Vorgängers Albino Luciani (Papst Johannes Paul I.) denken, der in etwa gesagt habe: "Könnt ihr euch etwa vorstellen, dass der Esel, auf dem Jesus bei seinem triumphalen Einzug nach Jerusalem saß, denken könnte, dass der Applaus ihm gelte?" Der Esel entspreche nämlich der Stellung des Papstes, denn der Papst "trage", ähnlich wie der Esel, Jesus zu den Menschen. Deshalb lade er wiederholt die Menschen dazu ein, "Viva Jesus" statt "Viva il Papa" zu rufen.

Die Reisen seien ermüdend, doch gleichzeitig trage er im Anschluss daran Gesichter und Geschichten mit sich nach Hause, die die Reise lohnen würden, so Franziskus. Der Enthusiasmus der jungen Menschen in Rio, aber auch das unermüdliche Ausharren der Menschen auf den Philippinen, die kurz vor seinem Besuch von einem Taifun heimgesucht wurden und noch während seines Besuchs unter starken Regengüssen litten, habe ihn besonders beeindruckt, erinnerte sich Franziskus.

Nach Rio sei eine Einladung nach der anderen gefolgt. Nun fühle er, dass er reisen und die Kirchen der Welt besuchen müsse, um die Samen der Hoffnung zu ermutigen, die es dort gebe, betonte der Papst.

Die nächste Auslandsreise des Papstes ist der geplante Besuch im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima. Der Besuch aus Anlass des 100. Jahrestags der Erscheinung der Muttergottes an die drei Hirtenkinder Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos ist für 12./13. Mai geplant.