Thema war auch Tränen der Mütter über Tod und Leid ihrer Kinder, wie dies sowohl beim Propheten Jeremias als auch beim Evangelisten Matthäus erwähnt wird.
Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz am Mittwoch, 4. Jänner 2017 im Vatikan seinen "Schmerz" über das Massaker in einer Haftanstalt im brasilianischen Manaus geäußert, das den Tod von 60 Gefangenen zur Folge hatte. "Ich drücke meinen Schmerz und meine Sorge über das aus, was passiert ist. Ich lade Sie ein, für die Toten, für ihre Familien zu beten, für alle, die in Ketten gehalten sind, und für diejenigen, die dort arbeiten", sagte er vor mehreren Tausend Audienzteilnehmern in der "Aula Paolo VI." im Vatikan.
"Ich appelliere auch an die Strafvollzugseinrichtungen, dass sie einen Reformprozess beginnen. Sie sollten Orte der Umerziehung und sozialen Wiedereingliederung sein, wobei die Lebensbedingungen der Gefangene menschenwürdig sein müssen", fuhr der Papst fort. Spontan lud er die Audienzteilnehmer ein, für alle Gefangenen in der Welt zu beten. "Lasst uns zu Maria beten, zur Mutter der Gefangenen", sagte er, bevor er ein Ave Maria rezitierte.
Der Erzbischof von Manaus, Dom Sergio Eduardo Castriani, hatte schon am Sonntag eine scharfe Verurteilung des Aufstand in einem Gefängnis der Amazonas-Stadt ausgesprochen. Die Situation konnte erst im Verlauf des Montags unter Kontrolle gebracht werden. "Wir drücken unsere Abscheu gegen die Mentalität derer aus, die das Leben abwerten, die denken, dass es entsorgt werden kann, dass man töten und alle Arten von Verbrechen und Gewalt gegen Bürger begehen kann", sagte Erzbischof Castriani. Die brasilianische Erzdiözese gedenkt am Samstag mit einer Messe der Opfer. Sie wird von Dom Castriani in der Imaculade-Conceicao-Kathedrale von Manaus geleitet.
In seiner Audienzkatechese sprach der Papst über die Tränen der Mütter über den Tod und das Leid unschuldiger Kinder, wie dies sowohl beim Propheten Jeremias als auch beim Evangelisten Matthäus Thema ist. Mit Bezug auf die biblische Figur der Rachel, die aus Verzweiflung über das Exil ihrer Kinder weint, zitierte Franziskus aus dem Buch des Propheten Jeremias, der das Weinen der Rachel der durch Gott geschenkten Hoffnung gegenüberstellt.
Angesichts der Tragödie des Verlustes ihrer Kinder könne eine Mutter keine Worte oder Gesten des Trost akzeptieren, so der Papst. Diese wären "immer unzulänglich und niemals in der Lage, den Schmerz einer Wunde zu lindern, die nicht geheilt werden kann und will". Rachel stehe für alle Mütter der Welt, aber auch jedes menschliche Wesen, das einen unersetzlichen Verlust beweine. Trost sei nur möglich, wenn man sich diesen Schmerz selbst zu Eigen mache, betonte der Papst.
Der Text des Jeremias sei später vom Evangelisten Matthäus aufgegriffen und auf das Massaker angewandt worden, das Herodes an den Unschuldigen Kindern Bethlehems verübt. In eindringlichen Worten hatte Franziskus in einem Schreiben an die katholischen Bischöfe in aller Welt vor wenigen Tagen das Thema der "Verbrechen an den Unschuldigen Kindern" erläutert.
Der Papst sprach in dem Brief über Verbrechen, die heute innerhalb und außerhalb der Kirche an Kindern verübt würden. Es gebe "neue Herodes-Könige", die dies zu verantworten hätten.
Im dem zum Fest der Unschuldigen Kinder am 28. Dezember vom Vatikan veröffentlichten Brief verurteilte Franziskus Kindesmissbrauch durch katholische Priester scharf und bat um Vergebung. Außerdem prangerte er die Folgen von Kriegen auf junge Menschen an, die weltweite Ausbeutung von Kindern als billige Arbeitskräfte, ihre Degradierung zu Sklaven oder Prostitutierten. "Es ist ein Wehklagen, das wir auch heute weiter hören können. Es bewegt uns in unserer Seele, und wir können und wollen es weder ignorieren noch zum Schweigen bringen. Unter den Menschen heute hört man leider - und ich schreibe dies tief bedrückt - das Wehklagen und Weinen vieler Mütter, vieler Familien um den Tod ihrer Kinder, ihrer unschuldigen Kinder", schrieb der Papst.
Weiter hieß es: "Wir brauchen den Mut, die Kinder vor den neuen Gestalten eines Herodes unserer Zeit zu verteidigen, welche die Unschuld missbrauchen. Unschuld gebrochen unter der Last der Schwarz- und Sklavenarbeit, unter der Last der Prostitution und Ausbeutung. Unschuld zerstört von Kriegen und gezwungener Auswanderung zusammen mit dem Verlust von allem, was dies mit sich bringt. Tausende unserer Kinder sind in die Hände von Banditen, von Mafiaorganisationen, von Todeshändlern geraten, die nichts anderes machen, als ihre Bedürfnisse zu missbrauchen und auszubeuten."