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20.12.2016
Profilschärfung bei den 25 Ordenskrankenhäusern

Ordensspitäler legen "spirituellen Ratgeber" aufs Krankenbett

Eigenen Beitrag des Patienten zur Genesung stärken.

Patienten von Österreichs Ordenskrankenhäusern finden auf ihrem Krankenbett künftig eine Broschüre zu spirituellen Themen vor. Der Ratgeber mit dem Titel "Quellen der Kraft" soll dabei helfen, neue Zugänge zur spirituellen Dimension des eigenen Lebens zu finden - und damit auch den Heilungsprozess fördern, legten Frauenordens-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer und der Generalsekretär der Superiorenkonferenz, P. Franz Helm, am Dienstag, 20. Dezember 2016 in Wien vor Journalisten dar. Das 36-Seiten-Heft entstand in einem mehrjährigen Identitätsprozess der 25 heimischen Ordensspitäler.

 

Seele ist gefordert

"Die Seele ist im Krankenhaus besonders gefordert", verwies P. Helm auf eigene Erfahrungen als Spitalspatient. Nach einer Lebertransplantation in Wien vor zehn Jahren habe er große Ängste durchlebt, später aber Dankbarkeit empfunden für die Medizin, die sein Überleben möglich machte. Patienten hätten im Spital viel Zeit zum Nachdenken über das Leben, und durchaus seien in dieser "unfreiwilligen Auszeit" auch positive Veränderungen wie etwa die Stärkung von Beziehungen zu anderen Menschen oder zu Gott denkbar, so der Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler. Darauf wolle man mit der Broschüre eingehen, ohne aber dabei zu überrumpeln.

 

„Mehr als perfekte Diagnose und kompetente Therapie“

"Zum Gesundsein und Gesundwerden gehören mehr als perfekte Diagnose und kompetente Therapie", betonte Sr. Mayrhofer. Das Heft "Quellen der Kraft" rufe dies in Erinnerung und sei mit ihrem Blick auf den "ganzen Menschen" eine Antwort auf bestehende "Krankheitssymtome" des Gesundheitssystems. Besonders klar sprach sich die Frauenordens-Präsidentin gegen einen Trend zur Gewinnoptimierung von Kliniken zum Nachteil der Patienten aus: Wo Gesundheit zum Geschäft werde, sei die Menschenwürde in Gefahr. Es dürfe keine Frage des Einkommens werden, ob man sich Kranksein und Therapie überhaupt leisten könne. Vor allem aber dürfe das Sorgen und Versorgen "nie und nie und nimmer zu einem Entsorgen führen", betonte die Ordensfrau.

 

Der Ratgeber ist nach Helms Darstellung per se nicht christlich und verzichte auch völlig auf Ratschläge. Enthalten sind vielmehr Übungen und "Fragen, die ich mir stellen könnte", zu Themen wie "Vertrauen", "Liebe" oder "Dankbarkeit". Geschichten eines Patienten - Herrn P. - und dessen Frau begleiten den Leser durch das Heft. Erst auf den letzten Seiten wird auf die christliche Botschaft explizit eingegangen, wenn es um das Gebet und schließlich um die Person Jesu Christi als Vorbild geht. Auch eine Darstellung der Spiritualität und des Seelsorge-Angebots des jeweiligen Krankenhauses sowie eine Gesamtübersicht zu den österreichischen Ordensspitälern sind enthalten.

 

Das Klinikum Wels-Grieskirchen - Betreiber ist die Kreuzschwestern Europa Mitte GmbH - geht noch einen Schritt weiter in Sachen Kommunikation und Patienten-Fokus: Patienten werden dazu angeregt, freiwillig selbst zur Genesung beizutragen. Spezielle Anleitungen auf Kärtchen erleichtern es, Fragen bei Diagnose und Therapie zu stellen und bei den Visiten die Ärzte aktiv anzusprechen. Ein strukturiertes Tagebuch hilft schließlich, die Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zu ordnen. "Verlassen Sie sich nicht nur auf uns, sondern übernehmen Sie möglichst viel Verantwortung für sich selbst" heißt es in einem Begleitfolder "My way - mein Weg zur Gesundheit". Die ersten Erfahrungen dieses Pilotprojektes seien gut, so die Ordensvertreter in Wien.

 

Wie Sr. Mayrhofer bei dem Pressegespräch darlegte, ist die Broschüre der erste Teil einer dreijährigen Kampagne, bei der die Ordensgemeinschaften ihren eigenen Dienst durch insgesamt neun zentrale Themenfelder stärker zum Ausdruck bringen wollen. Bei Teil eins steht unter dem Schlagwort "Beziehung heilt!" in den kommenden neun Monaten das Wirken der Ordensspitäler im Vordergrund. Weitere Schwerpunkte sind u.a. die Aufgaben im Kulturbereich, das solidarische Handeln, die Ökumene, die Bildung, der Sozialbereich und der Beitrag zu internationalen Beziehungen.

 

Arbeitsbedingungen abstimmen auf Patientenwohl

Die heimischen Ordensgemeinschaften sehen die jüngsten Turbulenzen rund um die Kollektivvertragsverhandlungen in heimischen Ordensspitälern gelassen. Grundsätzlich müssten die Arbeitsbedingungen für Ärzte und Pflegende so stimmig sein, dass diese ihren Dienst für die Patienten gut ausüben könnten, hielt Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf "Kathpress-"Anfrage fest. Wenn das medizinische Personal der Auffassung ist, dass die Arbeitsbedingungen über kurz oder lang den Patienten schaden würden, dann habe es das "Recht und die Pflicht, darauf aufmerksam zu machen". Und das könne dann auch einmal durch einen Streik geschehen, solange eine entsprechende Notversorgung gewährleistet sei.

 

Zum konkreten Fall wollte sich Sr. Mayrhofer freilich nicht äußern. Das sei Sache der einzelnen Krankenhäuser. Die Gewerkschaft vida hatte vor wenigen Tagen in einer Aussendung mitgeteilt, dass eine Mitarbeiterbefragung in zahlreichen Spitälern eine 92-prozentige Zustimmung "für Kampfmaßnahmen bis zum Streik" ergeben habe. In einer Betriebsrätekonferenz sei der weitere Fahrplan festgelegt worden. Nächste Verhandlungsrunde ist am 10. Jänner 2017. Dabei geht es laut Gewerkschaft sowohl um die Einkommen als auch um Arbeitszeiten. Von dem Arbeitskonflikt sind zwölf Ordenskrankenhäuser betroffen.

 

Auch P. Franz Helm, Generalsekretär der Superiorenkonferenz und Vorsitzender der "ARGE Ordensspitäler" äußerte sich nicht direkt zum Arbeitskonflikt. Das sei Sache der jeweiligen Geschäftsführungen. Dabei gebe es in den einzelnen Bundesländern auch unterschiedliche Rahmenbedingungen. Gerade für die kollektivvertraglichen Regelungen sei auch ein eigener Verein ("Interessenvertretung von Ordensspitälern und von konfessionellen Alten- und Pflegeheimen Österreichs", Anm.) gegründet worden, so P. Helm. Die "ARGE Ordensspitäler" sei demgegenüber eine österreichweite Interessensvertretung.

 

Die heimischen Ordensspitäler versorgen pro Jahr österreichweit mit mehr als 20.000 Mitarbeitern rund 500.000 Patienten stationär. Dazu kommen rund 1,2 Millionen Patienten, die ambulant versorgt werden. Die Ordensspitäler sind damit der größte gemeinnützige Anbieter stationärer Krankenbehandlung in Österreich. Bundesweit steht jedes fünfte Spitalsbett in einem Ordenskrankenhaus. Die medizinische Versorgung wäre ohne Ordensspitäler zum Teil undenkbar. In Oberösterreich etwa wird fast die Hälfte der Patienten in einem Ordenskrankenhaus versorgt.

 

Gab es noch vor kurzem 28 Ordensspitäler in Österreich, sind es derzeit laut Angaben der heimischen Ordensgemeinschaten nur mehr 25. Die geringere Zahl ergibt sich nicht durch Auflösungen, sondern durch Fusionierungen, mit denen die Kräfte gebündelt werden sollen. So fusionieren derzeit in Wien das Hartmannspital und das Krankenhaus St. Elisabeth zum neuen Franziskus-Spital. In Linz tun dies die beiden Krankenhäuser der Barmherzigen Schwestern und Elisabethinen zum neuen "Ordensklinikum Linz".