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19.12.2016
„Weltkrieg in Stücken“

"Neue Friedensenzyklika wäre dringend nötig"

Anstoß von Papst entscheidend.

Kurienkardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, der Leiter des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, hält eine neue Friedensenzyklika für "dringend nötig". Das letzte große päpstliche Lehrschreiben zu diesem Thema stamme aus dem Jahr 1963, damals unter der Bedrohung eines Nuklearkriegs. Papst Franziskus spreche inzwischen von einem "Weltkrieg in Stücken", so Turkson. Sein Büro könne eine Enzyklika vorbereiten, nur müsse "der Anstoß dazu vom Papst kommen", sagte der Kardinal am Montag, 19. Dezember 2016 im Interview gegenüber "Kathpress" in Rom.

Als anderen möglichen Gegenstand einer Enzyklika nannte Turkson die Migration. Dies sei "das andere große Thema, das der Papst vielleicht im Sinn hat". Turkson verwies darauf, dass Franziskus die Leitung einer Abteilung für Migrationsfragen innerhalb einer neuen Menschenrechts- und Entwicklungsbehörde im Vatikan persönlich an sich gezogen hatte.

Zur Frage, ob schon im kommenden Jahr mit einem Lehrschreiben zu einem der beiden Themen zu rechnen sei, sagte der Kardinal, der Papst könne zwar jederzeit eine Enzyklika verfassen. Empfehlenswert sei aber ein gewisser zeitlicher Abstand zwischen den päpstlichen Dokumenten. "Sie brauchen Zeit, um aufgenommen zu werden. Der Papst schreibt sie ja nicht, um sie in die Buchläden zu bringen. Er will eine Botschaft vermitteln und umsetzen", sagte Turkson.

Franziskus veröffentlichte neben der Enzyklika "Lumen fidei" (2013), die noch auf einem Entwurf seines Vorgängers Benedikt XVI. (2005-2103) basiert, die Umweltenzyklika "Laudato si" (2015). Ende 2013 erschien "Evangelii gaudium", ein Apostolisches Schreiben über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute, und im April 2016 das Schreiben "Amoris laetitia" zum Thema Familien.

Enzykliken sind die feierlichste Form einer päpstlichen Verlautbarung. Die Friedensenzyklika von Johannes XXIII. (1958-1963) trägt den Titel "Pacem in terris" ("Frieden auf Erden"). Sie ist über die katholische Kirche hinaus an "alle Menschen guten Willens" gerichtet.

 

Gegen Diskriminierung Homosexueller

Kardinal Turkson trat im Interview einer Diskriminierung von Homosexuellen entgegen. "Die Würde eines Menschen wird nicht hinfällig wegen eines Lebensstils, auch nicht geschmälert", sagte der Menschenrechtsbeauftragte des Vatikan gegenüber "Kathpress". Zwar würden in seinem Heimatkontinent Afrika bestimmte Lebensstile wie Homosexualität "gesellschaftlich teils schwer toleriert", so der ghanesische Kurienkardinal. Die Kirche trete hier jedoch für Respekt und Menschenrechte ein.

"Der feindseligen Behandlung, die solche Leute manchmal erfahren, setzen wir eine Geste der Barmherzigkeit und des Mitleids entgegen", sagte der Kardinal. Zugleich wandte er sich dagegen, seinen Kardinalskollegen Robert Sarah, der konservative Ansichten vertritt, mit der Stimme der katholischen Kirche Afrikas gleichzusetzen: "Wenn es um den Mainstream geht, muss man eher auf die SECAM (Verband der afrikanischen Bischofskonferenzen) schauen."

Sarah, aus Guinea stammender Leiter der römischen Gottesdienstkongregation, sei ebenso Kurienmitglied wie er, Turkson. "Was wir hier in Rom denken oder tun, ist nicht so repräsentativ für die Position der afrikanischen Kirche wie SECAM oder jemand, der konstant mit den Bischöfen Afrikas zusammenarbeitet", sagte Turkson.

Sarah gilt als Vertreter des konservativen Flügels innerhalb des Kardinalskollegiums. Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nannte er in der Vergangenheit einen zivilisatorischen Rückschritt und machte einen "westlichen ideologischen Kolonialismus" dafür verantwortlich.