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12.12.2016
Bis zu 200 Tote befürchtet.

Nigeria: Im Süden Kirchendacheinsturz, im Norden Attentat

Nigeria ist am Wochenende Schauplatz zweier furchtbarer Ereignissen geworden.

Beim Einsturz des Kirchendachs während eines Gottesdienstes in der Provinzhauptstadt Uyo in Südostnigeria kamen mindestens 160 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Das Attentat in Maiduguri forderte drei Tote.

Auch Stunden nach dem Unglück in Uyo suchten Rettungskräfte am Sonntag unter den Trümmern des Gotteshauses der Provinzhaupstadt nach Opfern und möglichen Überlebenden. In staatlichen Medien werden bis zu 200 Tote befürchtet. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden zunächst 60 Todesopfer geborgen. Aus dem nahe des Unglücksortes gelegenen Universitätsspital von Uyo hieß es, es seien mehr als 200 Verletzte eingeliefert worden.

Das Dach der noch im Bau befindlichen Kirche der evangelikalen Gemeinde Reigners Bible Ministry stürzte während eines Gottesdiensts am Samstagmittag, 10. Dezember 2016 aus zunächst noch unbekannter Ursache ein. Der bei dem Gottesdienst anwesende Gouverneur des südöstlichen Bundesstaats Akwa Ibom, Emmanuel Udem, überlebte das Unglück unverletzt. Es sei das "schockierendste Ereignis" in der Geschichte des Bundesstaats, schrieb er auf einer Facebook-Seite.

In einer Erklärung rief der Gouverneur dazu auf, Ruhe zu bewahren und für die Verletzten zu beten. Außerdem verhängte er zwei Tage Trauer über den Bundesstaat. Der nigerianische Staatschef Muhammadu Buhari übermittelte den Angehörigen der Opfer sein Beileid. Im September 2014 waren beim Einsturz des Gästehauses einer Kirche in der nigerianischen Millionenmetropole Lagos 116 Menschen ums Leben gekommen.

 

Selbstmordattentat zweier Mädchen

Am Sonntag, 11. Dezember wurde Nigeria dann von einer weiteren Schocknachricht erschüttert: Auf einem Markt in Maiduguri in Nordnigeria sprengten sich zwei Mädchen in die Luft. Drei Personen, darunter die Mädchen, kamen ums Leben, 17 Menschen wurden schwer verletzt. Die beiden Attentäterinnen sollen erst sieben oder acht Jahre alt gewesen sein. Ein Mitglied der Bürgerwehr von Maiduguri, Abdulkarim Jabo, berichtete, er habe die Mädchen vor dem Selbstmordattentat aus einer Rikscha aussteigen sehen. Sie seien "ohne die geringste Gefühlsregung" vor ihm hergelaufen, er habe noch versucht, mit ihnen zu sprechen. "Ich dachte, sie suchen ihre Mutter." Sie seien dann auf die Geflügelhändler zugegangen und hätten ihre Sprengstoffgürtel gezündet.

Wer hinter der Tat steckte, war zunächst unklar. Derartige Attentate gehen aber meist auf die Islamistengruppe Boko Haram zurück. Erst am Freitag, 10. Dezember waren im Nordosten Nigerias bei einem Doppelanschlag von Boko Haram mindestens 45 Menschen getötet und 33 weitere verletzt worden.

Boko Haram kämpft seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Die Gruppe verübt unter anderem Angriffe auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen. Seit 2009 wurden in dem Konflikt mehr als 20.000 Menschen getötet. 2,6 Millionen Menschen ergriffen angesichts der Gewalt die Flucht.