Bewusst am Tag des Heiligen Nikolaus, am Dienstag, 6. Dezember 2016, haben drei Fachbereiche der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien, Seniorenpastoral, die Kontaktstelle für Alleinerziehende und die Plattform WIGE zu einem Expertinnen-Frühstück zum Thema Altersarmut mit besonderem Focus auf Altersarmut bei Frauen ins Cafe Caspar eingeladen.
Die Expertinnen aus dem Bundesministerium für Soziales, der MA 24 (Gesundheits- und Sozialplanung), von Caritas, Diakonie, der Katholischen Frauenbewegung, des Katholischen Familienverbandes, der Kategorialen Seelsorge mit Weihbischof Scharl und Geschäftsführer Wiesauer haben sich über die zunehmend sichtbare, aber auch die „unsichtbare“ Armut im Alter ausgetauscht.
Sozialmärkte, wie Le+O – es gibt 15 in ganz Wien – verzeichnen stark ansteigende Besucherzahlen auch von Frauen. In der Gruft und im Häferl ist zu beobachten, dass etwa ein Drittel der Mittagessen an Menschen gehen, die zwar in einer Wohnung leben aber sich entscheiden müssen, ob sie die Heizung einschalten oder Essen kaufen.
Immer mehr ältere Frauen können an pfarrlichen Bildungsangeboten oder Ausflügen nicht teilnehmen, weil die Kosten für sie nicht leistbar sind. Unter Altersarmut fällt also auch nicht mögliche Bildung, nicht Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, soziale Vereinsamung. Sie wirkt sich auf die gesamte Lebensqualität aus.
Altersarmut beginnt bereits in frühen Jahren, so haben alleinerziehende Mütter zu einem hohen Prozentsatz schlecht bezahlte Teilzeitjobs. Neue Winterstiefel für die Kinder stellen da schon eine kaum zu bewältigende finanzielle Belastung dar.
Der Blick auf das Pensionskonto ist oft überraschend. Seit zur Berechnung der Pension die gesamte Erwerbsdauer herangezogen wird und nicht – wie früher – die 15 besten Jahre, sind die Pensionen real gesunken. Für Frauen bedeutet das: Kindererziehungszeiten, Teilzeitjobs, Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Krankheiten reduzieren die Pension, Scheidung und plötzlicher Tod des Partners können ebenfalls Ursachen für Altersarmut sein.
Von politischer Seite ist zu beobachten, dass Reaktionen auf die steigende Armut realitätsfremd sind. Arme werden bekämpft (Stichwort Kürzung der Mindestsicherung) nicht die Armut. Darin sind sich alle einig: Es geht nicht um Almosen, sondern um Gerechtigkeit, das Recht auf ein menschenwürdiges Leben – auch im Alter. Gewünscht wird zudem ein fairer Diskurs.