Hilfsorganisationen fordern anlässlich des am Sonntag bevorstehenden Welttags der Kinderrechte Verbesserungen in der Betreuung und rechtlichen Situation von Unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen. Noch immer könnten geflüchtete Kinder von den in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Grundrechten nur träumen, mahnte etwa das Don Bosco Flüchtlingswerk am Freitag, 18. November 2016. Die evangelische Diakonie forderte erneut die sofortige Übernahme sämtlicher Unbegleiteter Minderjähriger Flüchtlinge in die Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe der Bundesländer - und zwar zu den gleichen Unterbringungsstandards wie für österreichische Kinder.
Die Situation jugendlicher Flüchtlinge habe sich in diesem Jahr "massiv verschlechtert anstatt verbessert", wies Don-Bosco-Flüchtlingswerk Vorstandsmitglied Raffael Kirchtag hin: "Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge wurden von der Ausbildungspflicht bis 18 ausgeschlossen, der Familiennachzug wurde verschärft und umstrittene Methoden der Altersfeststellung werden nach wie vor angewandt."
Wer als junger Flüchtling nach Österreich komme, bleibe außen vor. "Flüchtlingskinder werden in erster Linie als Flüchtlinge gesehen, und nicht als Kinder", empörte sich Kirchtag: "Minderjährige Flüchtlinge haben ein Recht darauf, die Fürsorge und Betreuung zu erhalten, die ihnen laut UN-Kinderrechtskonvention zusteht. Dazu gehört auch das Recht auf Bildung und Ausbildung. Wird Jugendlichen die Bildung verwehrt, verwehrt man ihnen auch die Chance auf ein gelingendes Leben."
"Flüchtlingskinder sind nicht nur Flüchtlinge, sondern vor allem Kinder", erklärte auch Diakonie-Asylexperte Christoph Riedl. Kinder bräuchten neben einem Dach über dem Kopf, und einem Essen auf dem Tisch auch Beziehung und Bildung. "Da die Grundversorgung alleine das nicht abdeckt, ist es dringend nötig, dass sich die Kinder- und Jugendhilfe jetzt nicht mehr aus der Verantwortung stiehlt", so die Diakonie.
Ein von SOS-Kinderdorf in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten hatte zuletzt befunden, dass jedes unbegleitete Flüchtlingskind einen Anspruch auf die gleiche Versorgung Betreuung und Ausbildung habe wie ein österreichisches Kind, das ohne Eltern aufwachsen muss. Die beiden Rechtsprofessoren Karl Weber und Michael Ganner der Uni Innsbruck hätten demnach klargestellt, dass die derzeitige Unterbringung und Versorgung nicht ausreichend und damit rechtswidrig ist.
Die Verantwortung für das Kindeswohl der jungen Flüchtlinge müsste demnach ab dem ersten Tag des Aufenthalts bei den Jugendbehörden liegen. "Kind ist gleich Kind, unabhängig von der Nationalität", heißt es dazu im Gutachten. "Damit ist das System der Grundversorgung zumindest in der bis jetzt umgesetzten Form für Jugendliche nicht tauglich", meinte Diakonie-Vertreter Riedl. Finanzierung, Aufsicht und Kontrolle der Auflagen müssten bei der Kinder- und Jugendhilfe liegen.
"Gleiche Rechte, gleichen Schutz, gleiche Aufmerksamkeit und gleiche Chancen" für Kinder und Jugendliche forderte auch der Generalsekretär der Wiener Caritas, Klaus Schwertner. "Ein Kind ist ein Kind, egal, wo seine Wiege stand", betonte er am Freitag bei einer Fachtagung von Caritas und SOS-Kinderdorf in Wien unter dem Titel "an(ge)kommen - Kinder nach der Flucht". Experten sprachen sich dort u.a. dafür aus, jungen Flüchtlingen den Zugang zu Bildung zu erleichtern. Gerade die Teilhabe am Regelschulbetrieb sei für geflüchtete Kinder und Jugendliche ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Integration, so der Tenor.
Den Wunsch nach Gleichbehandlung unbegleiteter junger Flüchtlinge wird auch eine Social-Media-Kampagne zum Weltkindertag unterstreichen. Unter dem Titel "Keine halben Kinder" sollen dabei am Sonntag kurze Videoclips über Soziale Netzwerke verbreitet werden. "Für Kinder sind alle Kinder gleich. In den Clips legen sie die Gründe dafür treffend und überzeugend dar", kündigte die Kampagnen-Initiatorin und Don-Bosco-Flüchtlingswerks-Geschäftsführerin Eva Kern an. Die Kampagne ist eine Initiative des Don Bosco Flüchtlingswerks, getragen von den Salesianern Don Boscos, den Don Bosco Schwestern und von "Jugend Eine Welt" mit dem Ziel, sich für unbegleitete junge Flüchtlinge in Österreich einzusetzen.