Sorge angesichts der aktuellen radikalen Bargeldreform in Indien hat die katholische Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" (J1W) geäußert. Die zur Bekämpfung von Schwarzgeld und Steuerhinterziehung eingeführte Maßnahme treffe Millionen von armen Menschen ohne Bankkonto hart, gab J1W-Vorsitzender Reinhard Heiserer am Donnerstag, 10. November 2016 in einer Aussendung zu bedenken. Transparenz-Maßnahmen und Bekämpfung von Kriminalität seien grundsätzlich zu begrüßen, doch sei zu befürchten, "dass Leute, die große Mengen an Schwarzgeld anhäufen, diese künftig einfach in Gold oder in Fremdwährungen anlegen werden".
Die indische Regierung hatte am Dienstagabend überraschend alle im Umlauf befindlichen Banknoten im Wert von 500 bzw. 1.000 Rupien - umgerechnet sind dies 6,80 bzw. 13,60 Euro - kurzfristig für ungültig erklärt. Schätzungen zufolge betrifft die Maßnahme mindestens 80 Prozent des in Indien in Umlauf befindlichen Bargelds. Die alten Scheine können noch bis Jahresende auf Bankkonten eingezahlt oder in neu gedruckte 500- und 2.000-Rupien-Banknoten umgetauscht werden. Der tägliche Eintauschbetrag wurde jedoch auf 4.000 Rupien (54 Euro) begrenzt.
Lange Menschenschlangen seien derzeit vor den Banken anzutreffen, berichtete der Direktor der Hilfsorganisation "BoscoNet", P. Noel Maddhichetty. "Vor allem arme Menschen, aber auch ganz normale Durchschnittsbürger haben momentan riesige Probleme. Und ich fürchte, sie werden auch langfristig darunter leiden, wenn wie geplant weniger Bargeld im Umlauf sein soll", gab der J1W-Projektpartner zu bedenken.
Im indischen Alltagsleben würden immer noch die meisten Geschäfte in Bargeld getätigt. Arme Bauern, Arbeiter oder Kleinhändler hätten kaum Möglichkeit, bargeldlos zu zahlen oder bezahlt zu werden, so der Salesianerpriester. In Landregionen hätten zudem die wenigsten Menschen ein Bankkonto für ihre geringen Ersparnisse, sei die nächste Bank doch meist viele Kilometer entfernt.
Die indische Regierung hat bei ihrem Vorgehen gegen Steuerflucht und Schwarzgeld noch einen langen Kampf vor sich: Derzeit zahlen nur rund 1,6 Prozent der 1,25 Milliarden Bewohner des Subkontinents Einkommenssteuer.