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07.11.2016

Ökumene: Theologe hofft nach Lund-Erklärung auf Fortschritte

Katholische Kirche müsse sich bei Anerkennung evangelischer Kirchen bewegen. Das meint der Salzburger Ökumene-Experte Dietmar Winkler im "Kathpress"-Interview: "Papst Franziskus ist alles zuzutrauen."

Fortschritte im ökumenischen Dialog erwartet der Salzburger Ökumene-Experte und Kirchenhistoriker Dietmar Winkler nach der Gemeinsamen Erklärung von Vatikan und Lutherischem Weltbund (LWB) in Lund. Das in der Erklärung formulierte Bekenntnis von Papst Franziskus und LWB-Präsident Bischof Munib Younan zu weiteren Schritten in Richtung Kirchengemeinschaft dürfe dabei gewiss "nicht nur ein frommer Wunsch bleiben", sondern müsse "konkrete Formen annehmen", mahnte Winkler im Interview mit "Kathpress". Um auf dem angedeuteten Weg zum gemeinsamen Abendmahl weiter voranzuschreiten, empfiehlt der Theologe vor allem, bereits erreichte Konsens-Dokumente der Vergangenheit zu rezipieren: "Wir sind miteinander schon ein erhebliches Stück gemeinsamen Weges gegangen", so Winkler.

 

Anerkennung der Apostolizität möglich

Bewegung erwartet Winkler seitens der Katholischen Kirche vor allem in der Frage der Anerkennung der Apostolizität, also der Rechtmäßigkeit der Weihen in der Nachfolge der Apostel: Diese spricht die Katholische Kirche den evangelischen Kirchen ab. Winkler sieht in dieser Frage die Chance zu einem Neuansatz, wenn man katholischerseits erkenne, "dass Apostolizität immer die Rückbindung an die Wurzel des Glaubens meint" und sich nicht allein in bischöflicher Sukzession erschöpfe.

 

Eine weitere Baustelle sieht der Theologe in der Frage der damit verbundenen Anerkennung der Kirchen der Reformation. In dieser Frage hatte ja das Dokument "Dominus Iesus" der Glaubenskongregation im Jahr 2000 der Ökumene einen Rückschlag versetzt, indem es den evangelischen Kirchen attestierte, "keine Kirchen im eigentlichen Sinn" zu sein. Dies, so Winkler, entspreche jedoch "in keiner Weise der ursprünglichen Intention des Konzils" - konkret: des Ökumenismusdekrets. Dort werden - basierend auf einem Vorschlag von Kardinal Franz König - diese noch als "Kirchen" und "kirchliche Gemeinschaften" bezeichnet. Es gelte daher, in der Ökumene jenen von "Dominus Iesus" forcierten "fehlgeleiteten Rezeptionsprozess des Konzils" zu korrigieren.

 

 

Kritisch betrachtet Winkler den gegenwärtigen Wildwuchs an Modellen der Kirchengemeinschaft. "Es scheint derzeit so, dass jede Kirche in das Konzert der Ökumene gerade ihr eigenes Kirchenverständnis als Ökumenemodell bzw. als Modell für die Einheit der Christenheit vorschlägt." Hier sei eine Verständigung dringend geboten.

 

Große Hoffnungen auf Papst Franziskus

Insgesamt setzt der Salzburger Theologe auch in der Ökumene große Hoffnungen auf Papst Franziskus: "Papst Franziskus ist alles zuzutrauen" - große symbolische Gesten, aber auch verbindlich-konkrete Ansagen. Die Stärke des Papstes liege jedoch eindeutig im "Aufeinanderzugehen, in der Vertrauensbildung und in unkonventionellen Schritten". Dies alles sei sehr wichtig, da so erst deutlich werde, "dass nicht nur theoretisch herumgeredet wird, sondern auch Einheit konkret werden kann". Man komme allerdings nicht umhin, "ebenso konkrete theologische Schritte zu setzen, die bleibend sind und nachhaltig wirken".