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03.11.2016
Jubiläum des Treffens von Assisi

Papst an Religionsvertreter: Gewalt im Namen Gottes verurteilen

Ansprache aus Anlass des 30. Jahrestags des ersten Friedenstreffens der Religionen in Assisi.

Einen Aufruf an alle Religionen, sich klar von Gewalttaten zu distanzieren, die im Namen Gottes verübt werden, hat Papst Franziskus am Donnerstag, 3. November 2016 an rund 200 Teilnehmer eines interreligiösen Treffens gerichtet. Franziskus empfing Repräsentanten von Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und anderen Weltreligionen im Vatikan.

 

Wenige Tage vor der feierlichen Schlusszeremonie des außerordentlichen Heiligen Jahres hob er vor den Religionsvertretern die universal gültige Bedeutung von Barmherzigkeit hervor. Anlass war der 30. Jahrestag des ersten Friedenstreffens der Religionen, das Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1986 in Assisi veranstaltet hatte.

 

Appell von Franziskus

"Möge es nie mehr vorkommen, dass die Religionen aufgrund des Verhaltens einiger ihrer Gläubigen eine Botschaft von Misstönen aussenden, die in Kontrast zu derjenigen der Barmherzigkeit steht. Leider vergeht kein Tag, ohne dass man von Gewalttaten, Konflikten, Entführungen, terroristischen Attacken, Opfern und Zerstörungen hört. Und es ist schrecklich, dass diese barbarischen Akte teilweise im Namen einer Religion oder Gottes selbst verübt werden", so der eindringliche Appell von Franziskus. Diese Verhaltensweisen sollten "klar und deutlich verurteilt werden". Durch sie würden der Name Gottes geschändet und die religiöse Suche des Menschen verunreinigt.

 

Demgegenüber seien das friedliche Zusammentreffen von Gläubigen verschiedener Religionen und eine wirkliche Religionsfreiheit zu fördern, forderte der Papst seine Gäste auf. Das Heilig-Jahr-Motto Barmherzigkeit sei ein Thema, das allen Religionen gemein sein müsse, zeigte sich der Papst überzeugt. Es sei vor allem die tätige Barmherzigkeit, die aus "uneigennütziger Liebe, "geschwisterlichem Dienst" und "ehrlichem Teilen" bestehe. "Das ist der Weg, zu dem auch die Religionen aufgerufen sind, um speziell in unserer heutigen Zeit Botschafter des Friedens und Gemeinschaftsstifter zu sein; um im Gegensatz zu denjenigen, die Konflikte, Spaltungen und Abschottung fördern, zu verkünden, dass heute die Zeit der Geschwisterlichkeit ist."

 

Dabei sei es unerlässlich, dass die einzelnen Religionen sich auf Augenhöhe und ohne Anbiederung begegneten, fuhr der Papst fort. Vielen Religionen und Kulturen sei das Streben nach Gewaltlosigkeit und Mitgefühl für den Nächsten gemein, genauso wie die Ablehnung der Ausbeutung von Mitmenschen und die Weigerung, Menschen nur als "Nummern" und nicht als Geschwister zu betrachten: "Sich um diejenigen zu kümmern, die schwierige Situationen erleben, wie Krankheit, Behinderung, Armut, Ungerechtigkeit sowie die Konsequenzen von Konflikten und Migration, ist ein Ruf, der aus dem Herzen einer jeden wirklich religiösen Tradition kommt. Es ist das Echo der Stimme Gottes, der zum Gewissen eines jeden spricht und ihn einlädt, die Selbstbezogenheit zu überwinden und sich zu öffnen."

 

Allzu häufig käme es vor, dass die Menschen Gott vergäßen und ihn von ihrem Herzen fern hielten, bedauerte der Papst. Gemeinsam mit einer mangelnden Bereitschaft, sich an die Vergangenheit zu erinnern und auch den Mitmenschen nahe am Herzen zu tragen, führe dies dazu, dass bereits begangene Fehler der Menschheitsgeschichte, "auch auf noch grausamere Weise" nochmals begangen würden.

 

Das "Drama des Bösen" sei sein Abtauchen in die menschliche Freiheit, wo es dann stets im Stillen auf der Lauer liege, "um uns zu treffen und zu versenken". Doch genau gegenüber diesem "großen Rätsel" liege der überraschendste Aspekt der barmherzigen Liebe, erläuterte Franziskus: "Sie lässt nicht zu, dass der Mensch Spielball des Bösen oder seiner selbst bleibt; sie vergisst nicht, sondern erinnert, und beugt sich jedem Elend zu, um aufzurichten. Sie handelt wie eine Mutter, die auch angesichts des schlimmsten Übels, das ihr Kind begangen hat, immer und jenseits der Sünde das Gesicht erkennt, das sie im Schoß getragen hat."

 

Vergebung das "größte Geschenk"

Die heutige Welt brauche diese freie und uneigennützige Liebe, die über momentane Tröstungen hinausgeht und Vergebung und Versöhnung bringe. Vergebung sei "sicherlich das höchste Geschenk, das wir dem Nächsten machen können, denn sie kostet uns am meisten, aber gleichzeitig ist sie es, die uns Gott am ähnlichsten macht".

 

Weiter hob der Papst vor seinen Gästen das Anliegen der Bewahrung des Planeten hervor. Es sei notwendig - so Franziskus -, die Menschheit zu Genügsamkeit und Respekt zu erziehen, damit sie die Welt für die kommenden Generationen erhalte. Sie dürfe deshalb nicht nur an die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse denken.