Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib Younan, haben zum ökumenischen Einsatz für Flüchtlinge, Frieden und Umweltschutz aufgerufen. Katholiken und Lutheraner müssten gemeinsam "eine Kultur der Zusammenarbeit zur Förderung der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit" entwickeln und festigen, sagte Franziskus am Montagabend, 31. Oktober 2016 bei einem bunten ökumenischen Fest vor mehreren Tausend Menschen im schwedischen Malmö. Bischof Younan betonte, von diesem historischen Treffen gehe die Botschaft aus, dass echt religiöses Verhalten zur friedlichen Versöhnung führe, statt Konflikte zu verschärfen. Zuvor hatten der Papst und Younan in der Kathedrale von Lund mit einem ökumenischen Gebet an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert.
Zum Abschluss des Treffens in der Malmö Arena unterzeichneten Caritas Internationalis, der weltweite Dachverband der nationalen Caritasverbände, und die Hilfsorganisation des Lutherischen Weltbundes "Lutheran World Federation - World Service" ein Kooperationsabkommen. Künftig wollen beide etwa in der Flüchtlingshilfe oder bei Entwicklungshilfeprojekten zusammenarbeiten.
Franziskus würdigte diese Übereinkunft mit dem Titel "Together in Hope" als "leuchtendes Beispiel der Hingabe und des Dienstes für den Nächsten" in einer "durch Kriege und Konflikte zersplitterten Welt". Der ebenfalls nach Malmö gereiste chaldäische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte, das Abkommen gebe den verbliebenen Christen in Syrien Kraft und Mut, um den Konflikt durchzustehen.
Der Papst Franziskus bedankte sich im Anschluss bei jenen Ländern, die Flüchtlinge und Asylsuchende aufnehmen. "Ich möchte allen Regierungen danken, die den Flüchtlingen, den Vertriebenen und den Asylsuchenden helfen", sagte er. Alle Taten zugunsten dieser Schutzbedürftigen seien "eine wichtige Geste der Solidarität und der Anerkennung ihrer Würde". Für Christen müsse die Sorge für Ausgeschlossene und an den Rand Gedrängte Priorität haben.
Papst Franziskus und Spitzenvertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben in Schweden gemeinsam an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert. Während eines ökumenischen Gebets in der lutherischen Kathedrale von Lund forderten Franziskus und LWB-Generalsekretär Martin Junge am Montag mehr Anstrengungen für eine Überwindung der noch bestehenden Differenzen. "Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden", sagte Franziskus in seiner Predigt am Reformationstag.
Es war das erste Mal, dass ein Papst gemeinsam mit Lutheranern an einer Gedenkveranstaltung für die Reformation teilnahm. In Lund wurde der LWB 1947 gegründet. Er repräsentiert heute rund 74 Millionen evangelische Christen aus 145 Kirchen in 98 Ländern.
Das Motto des gemeinsamen Gebets lautete "Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch". Zu diesem Jesuswort aus dem Johannesevangelium (Kap. 15,4) hielt der Papst in der Kathedrale von Lund auch die Predigt. Franziskus würdigte Martin Luther als einen Christen, der die entscheidende Frage nach Gott neu ins Zentrum gestellt habe. Das gemeinsame Gedenken zu Luthers Reformation biete eine "neue Chance", einen "entscheidenden Moment in unserer Geschichte wiedergutzumachen", sagte der Papst. Nötig sei dazu eine "liebevolle und ehrliche" Betrachtung der Vergangenheit, die Fehler eingestehe und um Vergebung bitte. Auch auf evangelischer Seite habe es den "ehrlichen Willen" gegeben, "den wahren Glauben zu bekennen und zu verteidigen", so Franziskus. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ermahnte dazu, Kontroversen und Missverständnisse zu überwinden, "die oft verhindert haben, dass wir einander verstehen konnten".
Franziskus und der LWB-Präsident, Bischof Munib Younan, unterzeichneten bei der Gedenkzeremonie eine Gemeinsame Erklärung. Darin fordern sie einen vertieften theologischen Dialog über Wege zu einem gemeinsamen Abendmahl. "Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften sehnen sich danach, die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit", heißt es in dem zweiseitigen Dokument. Vatikan und LWB hätten eine "gemeinsame pastorale Verantwortung", dem geistlichen Hunger und Durst dieser Menschen zu begegnen.
Der Papst würdigte in seiner Predigt zudem theologische Verdienste der Reformation. Franziskus sagte weiter, die Kirchenspaltung sei eine "ungeheure Quelle von Leiden und Missverständnissen gewesen". Aber sie habe auch zu der "ehrlichen Einsicht" geführt, dass die Kirche ohne Jesus nichts vollbringen könne, und die Möglichkeit eröffnet, "einige Aspekte unseres Glaubens besser zu verstehen". Bei einer neuen Sicht auf die Vergangenheit gehe es nicht darum, "eine undurchführbare Korrektur dessen zu verwirklichen, was geschehen ist", sondern diese Geschichte "anders zu erzählen".
Die Bezeichnung "Kirchen" vermied Franziskus in seiner Predigt für die evangelische Seite. Er sprach stets vom "Lutherischen Weltbund". Der Papst und der Deutschchilene Junge hielten ihre Ansprachen jeweils auf Spanisch.