Papst Franziskus reist am Montag, 31. Oktober 2016, nach Schweden. Anlass ist der 500. Jahrestag der Reformation. Gemeinsam mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes (LWB) nimmt das katholische Kirchenoberhaupt am Reformationstag in Lund an einer ökumenischen Gedenkveranstaltung teil.
Es ist das erste Mal, dass ein Papst gemeinsam mit ranghohen Vertretern des Protestantismus an die Reformation erinnert. Der Lutherische Weltbund wurde 1947 in Lund gegründet. Er repräsentiert rund 74 Millionen Christen aus 145 Kirchen in 98 Ländern.
Am Montag wird der Papst gemeinsam mit dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, dem jordanischen Bischof Munib Younan (66), und Generalsekretär Martin Junge an einem Ökumenischen Gebet in der lutherischen Bischofskirche von Lund teilnehmen. Die Feier ab 14 Uhr wird in Österreich in ORF2 live zu sehen sein. Es folgt eine ökumenische Veranstaltung 28 Kilometer entfernt im Stadion von Malmö, der zweiten und letzten Station der zweitägigen Reise, bei der es auch um Flüchtlingshilfe gehen soll. Den Weg dorthin legen die anwesenden Religionsführer gemeinsam in einem Minibus zurück.
Am Dienstag (1. November) feiert Franziskus zu Allerheiligen mit Katholiken eine Messe erneut im Stadion von Malmö, bevor er nach Rom zurückfliegt. Im Rahmen der zweitägigen Reise begegnet er auch dem schwedischen Königspaar, König Carl Gustaf (70) und Königin Silvia (72), im Rahmen eines Höflichkeitsbesuchs. Er übernachtet nicht in der 400 Kilometer entfernten Nuntiatur, sondern in einem nahegelegenen Forschungszentrum, gab der Vatikan vorab bekannt, zudem wird er in seiner Muttersprache Spanisch sprechen.
Beim Reformationsgedenken werde es auch darum gehen, wie Katholiken und Lutheraner ihren Glauben gemeinsam bezeugen könnten, sagte Franziskus bei einer Audienz für eine ökumenische Pilgergruppe aus Deutschland. "Indem wir uns den am meisten Bedürftigen zur Verfügung stellen, erleben wir, dass wir schon eins sind: Es ist die Barmherzigkeit Gottes, die uns eint", so der Papst.
Die Erwartung an das Treffen und die Papstreise sind hoch. Der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch (66), und LWB-Generalsekretär Junge (55) bezeichneten das gemeinsame Reformationsgedenken in einer vom Weltbund veröffentlichten Erklärung als "Meilenstein" und als "Ausdruck der in 50 Jahren des internationalen katholischen-lutherischen Dialogs erzielten Fortschritte".
Das gemeinsame Reformationsgedenken steht unter dem Motto "Vom Konflikt zur Gemeinschaft - Verbunden in Hoffnung". Die Zeremonie solle unter anderem auch Buße für das "gewaltige Leid" infolge der Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert in Europa umfassen, heißt es in dem von Koch und Jung veröffentlichten Text. Zudem sollen der Papst und Bischof Younan eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Spekuliert wird, dass dabei auch eine gemeinsame Kommunion von Katholiken und Protestanten Thema ist.
Papst Franziskus hatte Luther beim Rückflug von seiner Armenien-Reise im Sommer gewürdigt. Dessen Absichten seien "nicht falsch" gewesen, wenn auch "vielleicht einige Methoden nicht richtig" erschienen. Der Reformator habe damals gegen eine korrupte und verweltlichte Kirche protestiert, die "kein Modell zum Nachahmen" gewesen sei. Auf die Frage, ob nicht angesichts des Reformationsgedenkens eine Aufhebung von dessen Exkommunikation oder eine andere Form der Rehabilitierung angebracht sei, ging Franziskus nicht ein.
Vor Franziskus war zuletzt vor 27 Jahren Johannes Paul II. (1978-2005) als bislang erster Papst nach Schweden gereist.