Die Caritas hat ihre Herbstsammlung für Menschen, die in Österreich in Not geraten, gestartet. In den einzelnen Diözesen findet in diesen Tagen unter dem Kampagnen-Motto "Hoffnung > Verzweiflung" der Auftakt zur auch als "Elisabethsammlung" bezeichneten Initiative statt. Dabei wird auf die schwierige Lebenssituation jener Armutsbetroffenen hingewiesen, denen die Sammlung zugutekommt. "Wenn wir Armut auch nicht abschaffen werden können, können wir dennoch verhindern, dass ihre Folgen große Probleme hinterlassen. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten", appellierte Caritasdirektor Hannes Ziselsberger in St. Pölten, wo die Inlandshilfe-Sammlung am Donnerstag, 27. Oktober 2016 offiziell startete.
Eineinhalb Millionen Menschen in Österreich gelten als armuts- und ausgrenzungsgefährdet, wobei die Caritas den Blick besonders auf Familien lenkt: vor allem auf Kinder und Jugendliche in Ein-Eltern-Haushalten, Familien mit drei und mehr Kindern und Menschen mit Migrationshintergrund. 70.000 Minderjährige sind auf Mindestsicherung angewiesen. Für die Caritas ist Not in frühen Jahren ein "Start ins Leben einen Meter hinter der Startlinie": Schließlich würden sich Kinder aus sozial benachteiligten Familien meist in der Schule viel schwerer tun, sie seien öfter krank und eher ausgegrenzt als ihre Alterskollegen. Schlechtere Bildung gehe im späteren Leben oft mit Arbeitslosigkeit einher.
Wie sich Armut für viele Menschen auch in "reichen" Gegenden konkretisiert, verdeutlichte die Salzburger Caritas mit einer in dieser Woche veröffentlichten Studie: Jede siebte Salzburger Familie sei von Armut betroffen, allen voran Haushalte mit über drei Kindern und Alleinerzieher. Sie haben einen im Vergleich deutlich geringeren Lebensstandard, und Freizeitaktivitäten für Kinder oder die notwendige Brille werden hier ebenso schnell zum finanziellen Problem wie unerwartete hohe Ausgaben wie etwa der Kauf einer neuen Waschmaschine oder auch Nachhilfeunterricht. Zu schaffen macht den Familien laut Studie besonders die steigende Wohnungsnot, sind doch die Wohnkosten nur für ein Drittel aller Salzburger Familien keine Belastung. Viele finden keine geeignete, leistbare Wohnung und leben in überbelegten.
Studie: Arm-Reich-Schere wächst
Die Schere zwischen Arm und Reich wird den Ergebnissen zufolge immer größer: Ist auch das durchschnittliche Haushaltseinkommen in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen, so gibt es bei den beiden gefährdeten Gruppen hingegen Verluste - durchschnittlich um kaufkraftbereinigte 1.000 Euro jährlich bei Familien mit mindestens drei Kindern, sowie sogar um 1.400 Euro weniger bei Ein-Eltern-Haushalten, zeigt die Studie, die auf empirischen Daten und einer Online-Umfrage von 121 Sozialarbeiter basiert. Die reichsten zehn Prozent haben hingegen um 2.000 Euro mehr.
Anschaulich zeigen die Studienautoren die Problemlage anhand des Beispiels einer konkreten Familie auf: Denis N. und seine Frau Jasminka leben von der Mindestsicherung und haben zwei kleine Kinder, 5 Jahre und 14 Monate alt. Denis konnte krankheitsbedingt länger nicht arbeiten, Jasminka verlor nach Karenzende und kurzer Arbeitstätigkeit bei ihrem alten Arbeitgeber ihre Stelle. Gleichzeitig stand der Umzug in die dringend benötigte größere Wohnung bevor. Die Kaution von rund 2.000 Euro konnte die Familie nicht mehr aufbringen und musste eine private Anleihe aufnehmen, zusätzlich belasten Schuldentilgungsraten und hohe Energiekosten den Geldbeutel der Familie. Die Familie würde nur durch Mindestsicherung deutlich unter der Armutsgrenze leben und kommt mit Familienbeihilfe knapp darüber, wobei nach Abzug aller Fixkosten 23 Euro täglich für Lebensmittel, Kleidung und sonstige Alltagsbesorgungen liegt.