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23.10.2016
Kommunikationsschef der Erzdiözese Wien in "Presse"-Kommentar

Prüller zur Hofer-Kampagne: Gottes-Bezug "auf eigene Gefahr"

Kommunikationschef der Erzdiözese Wien in "Presse"-Kolumne: "Es steht der Kirche nicht zu, über die Motive Norbert Hofers zu spekulieren.

Zur aktuellen Wahlkampagne des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer, der auf seinen Plakaten zur Bundespräsidentschaftswahl mit dem Satz "So wahr mir Gott helfe" wirbt, hat sich nun erstmals ein Kirchenvertreter zu Wort gemeldet: Es stehe der Kirche "nicht zu, über die Motive Norbert Hofers zu spekulieren", schreibt der Kommunikationschef der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, in seiner wöchentlichen Kolumne in der "Presse am Sonntag" am 23. Oktober 2016. "Aber wenn er Gott ins Spiel bringt, tut er das auf eigene Gefahr", so Prüller unter Verweis auf das Zweite Gebot: "Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht". "Worte haben Konsequenzen", erinnerte Prüller.

Die "einzig relevante Frage" laute daher, worum es Hofer eigentlich gehe: Tatsächlich um den Sinngehalt der Eidesformel oder "nur um Stimmenfang"? Natürlich spreche vieles dafür, dass Hofer mit der Formel christliche Wähler gewinnen wolle, so Prüller weiter. Dies allein sei jedoch noch kein unredliches Verhalten: "Ist das Gewinnen nicht der Sinn von Wahlplakaten?" Außerdem zweifle er, ob gläubige Menschen tatsächlich wie "Pawlow'sche Reflexwähler" agierten, "nach dem Motto: Wo Gott draufsteht, muss Gott drin sein". Gläubigkeit allein sei noch keine Wahlempfehlung.

Im Übrigen lasse sich die zitierte Eidesformel "So wahr mir Gott helfe" auch nicht gegen anders glaubende Menschen, etwa gegen Muslime, in Stellung bringen - die Formel sei schließlich eine Frucht der Frankfurter Nationalversammlung, die 1848 die verschiedenen Eidesformeln "entkonfessionalisierte" und sie so auch für anders Glaubende zu öffnen. Prüller: "'Gott' ist kein Begriff, auf den wir Katholiken ein Copyright hätten." So könne die Kirche zwar etwas dazu sagen, "ob das Programm der FPÖ oder Hofers Aussagen das Etikett 'christlich' verdienen" - Eine Verurteilung der Wahlwerbung mit der besagten Eidesformel indes stünde ihr nicht zu: "Gottes Hilfe? Gerade dem Sünder sei sie vergönnt".

 

Katholische Laien lehnen Hofers Wahlwerbung ab

Die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) übt scharfe Kritik an der Bezugnahme auf Gott in der Wahlwerbung für den Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer. "Gott für politische Ambitionen zu funktionalisieren ist zutiefst abzulehnen", erklärte Gerda Schaffelhofer am Montag zu Wahlplakaten, die u.a. den Satz "So wahr mir Gott helfe" enthalten. "Mir ist eine Vereinnahmung Gottes für politische Zwecke zutiefst suspekt. Wer Gott auf eine solche Weise für politische Ziele einer Person oder Partei verzweckt, muss sich die Frage gefallen lassen, wie es in seiner Politik mit der Funktionalisierung von Menschen steht", so die KAÖ-Präsidentin in einer Aussendung.

 

"Eine solche Wahlwerbung wirft auch die Frage auf, was dann als nächstes folgt: Wird dann im Falle eines Wahlsieges von Norbert Hofer dieser Wahlausgang zum Gottesurteil hochstilisiert und Hofer als Bundespräsident von Gottes Gnaden tituliert? Ich kann vor einer solchen Politik, die Gott auf die Seite einer Partei oder eines Politikers ziehen will, nur warnen. Es gibt mehr als genug Beispiele aus Geschichte und Gegenwart, die zeigen, welche gefährliche Irrwege damit als gottgewollt dargestellt wurden und werden", warnte Schaffelhofer.

 

Mit einer solchen Vorgangsweise setze man auch eine vernünftige Trennung von Staat und Religion bzw. Kirche, wie wir sie in Österreich erreicht haben, aufs Spiel. Hier wird Gott zum Zweck der Polarisierung missbraucht", so die KAÖ-Präsidentin. "Die jetzige Vorgangsweise sollte für jede Wählerin und jeden Wähler Anstoß sein, die Motive und Absichten des betreffenden Kandidaten noch mehr als bisher unter zu die Lupe zu nehmen".