Die weltweiten Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger "zahlen sich aus, doch sie sind bei weitem nicht genug". Denn noch immer hungern weltweit 795 Millionen Menschen, wie die Koordinierungsstelle (KOO) der Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission anlässlich des Welternährungstages, der am 16. Oktober im Fokus steht, zwei Tage davor mitteilte. Seit dem Jahr 2000 sei der Welthunger-Index um ein knappes Drittel - von 30 auf nunmehr 21,3 Prozent - gefallen. Für die kirchliche Fachstelle für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist dies "Zeichen der Ermutigung, aber kein Grund zur Entwarnung".
Die Organisation Welthungerhilfe gibt den Index jährlich gemeinsam mit dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) in Washington heraus. Die Fortschritte seien regional sehr unterschiedlich verteilt, wies die KOO in ihrer Aussendung am Freitag hin. Laut dem aktuellen Index mit Daten aus 118 Ländern habe sich die Situation in 22 davon merklich verbessert: Dazu zählen etwa Ruanda und Myanmar, die ihre Werte um mindestens die Hälfte verringern konnten. 70 weitere Länder verbesserten ihre Werte um 25 bis 49,9 Prozent. Anlässlich des Welthungertages mahnte die Koordinierungsstelle die Verantwortung der Regierungen für weitere Bemühungen ein: "Ernährungssicherung muss absolute Priorität in den Entwicklungsplänen der betroffenen Länder haben."
Vor allem Krieg und Konflikte, schlechte Regierungsführung und Korruption seien Ursachen für Stagnation im Kampf gegen Hunger, verwies KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl auf Beispiele wie Syrien, Libyen, Somalia, Sudan, Jemen oder Eritrea. Er erinnerte an das Versprechen der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen, "niemanden zurückzulassen". Um Hunger und Armut zu beseitigen, müsse die Weltgemeinschaft als ganze ihre Anstrengungen verstärken.
Vorrangig dabei müsse laut Hödl eine stärkere Bekämpfung der Kriegsursachen sein. Weiters gelte es die notwendige Steigerung der Nahrungsmittelproduktion mit ökologischen Erfordernissen in Einklang gebracht werden. Zur Bewahrung der Schöpfung sei es wichtig, die kleinbäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft entsprechend zu unterstützen. Aber auch die Probleme Klimawandel, verzerrende Agrarsubventionen und Landreformen müssten angegangen werden, forderte der EZA-Experte mit dem Hinweis auf ähnlich lautende Appelle in der Papst-Enzyklika "Laudato si".
Das hat die Caritas in einer Aussendung zum Welternährungstag unterstrichen. Dass in einer Welt, in der Flüge zum Mond und weltweite Kommunikation per Mausklick selbstverständlich sind, noch immer alle zehn Sekunden ein Kind an Hunger stirbt, ist für Caritas-Präsident Michael Landau "unfassbar". Seine eindringliche Mahnung: "Solange Kinder an Hunger sterben, haben wir als Gesellschaft versagt!"
Weltweit leiden nach Caritas-Angaben 800 Millionen Menschen - das sind elf Prozent der Weltbevölkerung - an Hunger. Dies sei kein hinzunehmendes Schicksal, sondern von Menschen verursacht: "Krieg, Klimawandel, Armut und unzureichende Nahrungsmittelproduktion in den ärmsten Ländern sind Hauptursachen für Hunger. Aber auch Gleichgültigkeit, Ausbeutung und ungehemmte Gewinnmaximierung haben daran Anteil."
Jedes Land der Welt sollte die Grundversorgung seiner Bevölkerung mit eigenen Nahrungsmitteln gewährleisten können, stellte Landau klar. Viele Länder Afrikas seien leider noch immer auf Importe von Grundnahrungsmittel wie Getreide angewiesen. Und immer noch würden Billig-Produkte in die ärmsten Länder exportiert, mit denen die Bauern vor Ort nicht konkurrieren können, kritisierte der Caritas-Chef. Große Agrarkonzerne würden gerade diese Länder auch als neuen Markt sehen, um Saatgut, Dünger und die zusätzlich notwendigen Pestizide abzusetzen.
Die Caritas selbst leiste wichtige Beiträge zur Hungerbekämpfung: Weltweit würden 270.000 Menschen mit langfristigen Maßnahmen unterstützt: mit Schulungen und Ernährungsberatung ebenso wie mit Saatgut, Nutztieren und Brunnenbau. Im Rahmen der Caritas-Nothilfe werden in Krisengebieten Nahrungsmittelpaket verteilt und Kleinkinder in Ernährungszentren