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13.10.2016
Fortsetzung u.a. mit Alois Brandstetter

"Poetikdozentur" an Wiener Theologischer Fakultät wird fortgesetzt

Nächste Referenten ab 25. Oktober sind Alois Brandstetter, Christian Lehnert und Felicitas Hoppe.

Mit einem Vortrag des österreichischen Autors Alois Brandstetter geht die Wiener "Poetikdozentur" zum Thema "Literatur und Religion" am 25. Oktober 2016 in die nächste Runde.

 

Das teilte die Universität Wien am Donnerstag, 13. Oktober in einer Aussendung mit. Brandstetter, bis 2007 Professor für Philologie an der Universität Klagenfurt, wird auf Einladung der Katholisch-Theologischen Fakultät über "Geistiges, Geistliches, Schöngeistiges. Gedanken eines praktizierenden Schriftstellers zum Verhältnis von Literatur und Religion" referieren. Die positive Resonanz auf die ersten drei Vorträge im heurigen Frühling und das breite mediale Echo habe ihn in seinem Vorhaben bestätigt, das Programm fortzusetzen, so Dozentur-Initiator Jan-Heiner Tück gegenüber "Kathpress".

Auf Brandstetter folgt am 22. November der Berliner Lyriker Christian Lehnert mit einem Vortrag über "Teilchen. Cherubinische Spuren. Eine Erkundung poetischer und religiöser Bildsprache" und schließlich am 17. Januar 2017 der abschließende Vortrag von der deutschen Autorin und Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe mit dem Titel "Und schrieb in den Sand... Mündlichkeit und Schriftlichkeit in Religion und Literatur". Im Mai 2017 wird außerdem der Schweizer Autor Thomas Hürlimann für vier Wochen an der Fakultät lehren. Vorgesehen sind laut Tück vier Vorträge und ein abschließendes Fachsymposion mit dem Autor sowie Literaturwissenschaftlern und Theologen. Eine Etablierung der "Poetikdozentur" an der Katholisch-Theologischen Fakultät auch über diese Termine hinaus sei im Gespräch, jedoch noch nicht fix.

 

"Poetikdozentur" fordert zweifache Lernbereitschaft

Zugleich zog Tück gegenüber "Kathpress" eine Positiv-Bilanz zu den bisherigen drei Veranstaltungen im Rahmen der "Poetikdozentur", die offiziell am 31. Mai mit einem Vortrag Thomas Hürlimanns endete: Sowohl Sibylle Lewitscharoff als auch Thomas Hürlimann und Nora Gomringer hätten mit ihren Vorträgen ein "Unbehagen an der zeitgenössischen Ausgrenzung von Metaphysik und Transzendenz" zum Ausdruck gebracht und dieses literarisch verarbeitet. Es gebe durchaus ein Gespür in der zeitgenössischen Literatur, so Tück, dass diese Ausgrenzung "Überhangfragen offen lässt", die heute wieder stärker ins Bewusstsein rücken.

Irritiert zeigte sich Tück indes über das geringe Interesse seitens der akademischen Literaturwissenschaft an der "Poetikdozentur". So seien eigens Theologen aus dem gesamten deutschen Sprachraum zu den Vorträgen angereist, während die Vertreter des Wiener literaturwissenschaftlichen Betriebs "weitgehend mit Abwesenheit geglänzt" hätten.

Lernbereitschaft sei daher von beiden Seiten gefragt, zeigte sich Tück überzeugt: So habe die Literaturwissenschaft heute noch einen Lernprozess vor sich, wenn es darum geht, sich den Fragen von Transzendenz und Religion vorbehaltlos zu stellen; und auch die Theologie könne von der Literatur in Religionsfragen lernen, "da ja auch die Theologie meist im eigenen Glasperlenspiel kreist", so der Wiener Dogmatiker.

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