Am 12. Oktober 2016 jährt sich der Geburtstag der Heiligen Edith Stein zum 125. Mal. Sie war Jüdin und Christin, Philosophin und Karmelitin, Intellektuelle und Märtyrerin. 1942 wurde Stein von den Nazis in Auschwitz ermordet. Papst Johannes Paul II. hat die Ordensfrau jüdischer Herkunft 1998 heiliggesprochenen und ein Jahr später zur Mitpatronin Europas erhoben.
Die "Edith Stein Gesellschaft Österreich", der Teresianische Karmel und die "Wiener Katholische Akademie" begehen den Geburtstag der Heiligen mit einem dichten Programm, wie die heimischen Ordensgemeinschaften berichten. Den Anfang macht am 12. Oktober in Wien die Aufführung eines Oratoriums des österreichischen Komponisten Wolfram Wagner nach Texten von Edith Stein und Zeitzeugnissen in der Karmelitenkirche, Silbergasse 35 in 1190 Wien. Beginn ist um 19.30 Uhr.
Unter dem Motto "Die Vernunft des Herzens" steht am 21./22. Oktober die diesjährige Edith-Stein-Tagung im Wiener Erzbischöflichen Palais in der Wollzeile 2. Eröffnet wird die Tagung mit einer Messe im Stephansdom um18 Uhr, der Domkustos Josef Weismayer als Hauptzelebrant vorstehen wird. In den Vorträgen der international besetzten Tagung soll eine weitere Annäherung an das ebenso geheimnisvolle wie facettenreiche Persönlichkeitsbild Edith Steins versucht werden, heißt es von Seiten der Veranstalter.
Zu den Referenten zählen u.a. die Religionsphilosophin Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die Niederländische Stein-Expertin Ilse Kerremans und der Linzer Theologe und Experte für den christlich-jüdischen Dialog Markus Himmelbauer.
Tradition haben bereits die "Edith-Stein-Tage". Diese stehen im Arbeitsjahr 2016/17 unter dem Motto "Vernunft des Herzens - Ein Weg mit Edith Stein auf der Suche nach Orientierung". In monatlichen Veranstaltungen verschiedenster Art - die Palette reicht von religionsgeschichtlichen und religionsphilosophischen Vorträgen über die Betrachtung großer Gestalten des Karmel bis hin zu Einkehrtagen - sollen weitere Aspekte aus dem Leben Edith Steins und ihrer spirituellen Heimat, dem Karmel, behandelt werden.
Edith Stein, die jüdischer Herkunft war, wurde im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau vermutlich am 9. August 1942 ermordet. Sie wurde 1891 als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Breslau (heute: Wroclaw) geboren. Sie studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Psychologie. Am 1. Jänner 1922 trat Edith Stein zum katholischen Glauben über. Im Herbst 1922 nahm sie eine Stelle als Lehrerin am Lehrerinnenseminar in Speyer an. Das Seminar wurde von Dominikanerinnen geführt. Edith Stein wohnte im Kloster und lebte wie eine Ordensfrau.
In der Sorge um die jüdischen Menschen angesichts des NS-Terrors ab 1933 wollte Edith Stein nach Rom zu Papst Pius XI. fahren und ihn persönlich bitten, eine Enzyklika gegen die Judenverfolgung zu veröffentlichen. Dazu kam es nicht, aber sie schrieb dem Papst einen Brief. Am 15. Oktober 1933 trat sie in den Kölner Karmel ein.
Nach dem NS-Pogrom am 9. November 1938 war klar, dass Edith Stein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft auch als Ordensfrau nicht mehr in Deutschland bleiben konnte. Sie konnte nach Holland fliehen und lebte fortan im Karmel in Echt. Aber 1940 besetzten die Deutschen die Niederlande, sodass die Gefahr, der sie in Köln entkommen war, sie hier wieder einholte. Im selben Jahr kam ihre Schwester Rosa, inzwischen ebenfalls getauft, zu ihr nach Echt.
Am Sonntag, 26. Juli 1942, ließen die katholischen Bischöfe in allen niederländischen Kirchen einen Hirtenbrief verlesen, in dem sie gegen die Judenverfolgung protestierten. Daraufhin wurden die katholischen Juden von den Nazis als die gefährlichsten Gegner erklärt, die sofort nach dem Osten deportiert werden müssten.
Am 2. August 1942 wurden Sr. Teresia Benedicta und Rosa von SS-Schergen verhaftet und in das KZ Westerbork gebracht, das als Sammellager diente. Am 7. August setzte sich der Transportzug mit den Gefangenen Richtung Auschwitz in Bewegung. Am 9. August kam der Transport in Auschwitz an. Die große Philosophin und Karmelitin Edith Stein gehörte zu denen, die sofort getötet wurden.
Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein 1987 bei seinem Deutschlandbesuch in Köln selig. Am 11. Oktober 1998 wurde sie in Rom heiliggesprochen und ein Jahr später zur Mitpatronin Europas erhoben.