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06.10.2016

„Wir brauchen einander“

Die Reformation geht beide Kirchen etwas an.

 

Im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 haben sich der evangelische Bischof in Österreich, Michael Bünker, und der katholische Linzer Bischof Manfred Scheuer zu einem Lokalaugenschein ins Kernland der Reformation aufgemacht: Sachsen.

 

Eines hielt Bischof Bünker gleich eingangs fest: „Luther-Festspiele darf es zum Reformationsjubiläum nicht geben.“ Aber sich eingehend mit seinem Leben und seiner Lehre auseinanderzusetzen, und das auch noch an den Originalplätzen seines Wirkens, könne nicht schaden.

 

Und eines betonen beide Bischöfe: Die Reformation geht nicht nur die evangelische Kirche an, sondern genauso auch die katholische.

 

Gegenseitig Schuld eingestehen


In Österreich wie überall sollte bei aller Feierlichkeit zugleich auch das Bedauern über die Kirchenspaltung und die damit einhergehende gegenseitige Gewalt im Mittelpunkt stehen, sagten beide Bischöfe in einer Pressekonferenz.

 

„Wir sollten uns auch gegeneinander unsere Schuld eingestehen“, so Bünker. Zugleich gelte es dankbar auf den ökumenischen Dialog der vergangenen Jahrzehnte zu blicken.

 

Inzwischen habe sich auch in der Katholischen Kirche ein neues Luther-Bild etabliert. Bünker: „Wir brauchen einander. In diesem Geist wollen wir dieses Jubiläumsjahr begehen.“

 

Luther: Zeuge des Evangeliums


Die Katholische Kirche ist ohne die Evangelische nicht denkbar, betonte Bischof Scheuer. Und die Katholische Kirche sei durch ihre Reformverweigerung genauso mitschuldig an der Kirchenspaltung, räumte der Linzer Bischof ein:

 

„Wir lernen daraus: Ohne Reformen kommt es zur Reformation im Sinne einer Spaltung.“ Luther sei ein „Zeuge des Evangeliums“, ein „Erneuerer des Glaubens“ und ein „Verkünder Jesu Christi“ gewesen, bekräftigte der Linzer Bischof. „Und dafür dürfen wir auch dankbar sein.“


In Berlin trafen Bünker und Scheuer zum Auftakt Reformationsbotschafterin Margot Käßmann.

 

Die frühere evangelische Bischöfin ist für die Gesamtkoordination der Feierlichkeiten kommendes Jahr in Deutschland zuständig.

 

Auch für sie ist klar, dass das Reformationsjubiläum „keine nostalgische Wohlfühlfeier“ sein darf. Sie möchte einen „mutigen Aufbruch der Kirche ins 21. Jahrhundert“.

 

Wittenberg: 15 Prozent Christen


Die örtliche evangelische Pfarrerin Kristin Jahn führt die beiden Bischöfe durch die Lutherstadt Wittenberg.

 

Sie erzählt von ihrem Alltag: Inklusive der Umlandgemeinden zählt Wittenberg bis zu 45.000 Menschen. Und gerade einmal 15 Prozent davon sind Christen. Das Erbe der kommunistischen Vergangenheit Ostdeutschlands.

 

Ihre eigene Gemeinde zählt 3.500 Gläubige, erzählt die Pfarrerin. Die Hälfte davon ist älter als 70 und im Sonntagsgottesdienst sitzen selten mehr als 50 oder 60 Einheimische.

 

Doch davon will sich die dynamische Pfarrerin nicht entmutigen lassen: „Immerhin gibt es hier 85 Prozent der Menschen, die noch zur Kirche hinzukommen können.

 

Wir müssen das als Chance sehen. Und dann macht die Arbeit hier auch Spaß.“