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05.10.2016

Feierstunde für einen Unfall?

Wir können gemeinsam danken für den Reifungsprozess, den er angestoßen hat.

 

Immer wieder fragen mich Freunde, die das Leben der Kirche mitverfolgen:

 

Wieso feiert eigentlich die katholische Kirche das Reformationsjubiläum 1517-2017 der evangelischen Kirchen mit?

 

Eine Kirchenspaltung feiern? Die Frage ist verständlich.

 

Die vor 500 Jahren begonnene Trennung hat Christen gegeneinander aufgebracht, verheerende Religionskriege zur Folge gehabt und schwächt bis heute das Christentum.

 

Und auch wenn Martin Luthers Ziel nicht Spaltung, sondern Reform war, hat er es ja trotzdem darauf ankommen lassen.


Auf die Frage kommen mir zwei Antworten in den Sinn.

 

  • Die einfache: Es geht nicht ums Feiern, sondern ums Gedenken.

Ist es nicht  angebracht, gemeinsam über den Beginn der schmerzlichen Uneinigkeit nachzudenken, die darin liegende Schuld zu betrachten und anzunehmen – und für die Zukunft und das Zusammenwachsen fruchtbar zu machen?

 

  • Die andere Antwort ist komplizierter. Es gibt Menschen, die einen schweren Unfall hatten – und danach sagen: Ich trage zwar noch schwer an den  Verletzungen, aber dieser Unfall hat mich gelehrt, das Leben neu zu sehen und jeden Tag bewusster wahrzunehmen.

 

So jemand wird diesen Unfall später vielleicht nicht überschwänglich feiern, ihn aber doch als eine Art Geburtstag begehen.

 

Bischof Bünker spricht im SONNTAG-Interview darüber, wie sich in der Reformation der Blick auf das Wesentliche, auf Christus fokussiert hat – und zwar der Blick beider Kirchen.

 

Auch wenn wir Katholiken – wie auch die Protestanten – keinen Grund haben, den Bruch zu feiern, so können wir doch gemeinsam danken für den Reifungsprozess, den er angestoßen hat.

 

So sehr liebt uns Gott, dass er selbst noch aus unserem, für ihn so schmerzhaften, Zwist ein Geschenk für uns formt.