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02.10.2016
Franziskus in Aserbaidschan

Papst spricht Katholiken in Aserbaidschan Mut zu

Franziskus bei Messe am Sonntag in Baku: "Sie sind kleine, in den Augen Gottes ganz kostbare Herde".

Papst Franziskus hat den wenigen Katholiken im muslimisch geprägten Aserbaidschan Mut zugesprochen. Sie seien eine "kleine, in den Augen Gottes ganz kostbare Herde", sagte er den Teilnehmern einer Messe am Sonntag, 2. Oktober 2016 in Baku. Zugleich ermahnte der Papst die Katholiken zu Verbundenheit untereinander. "Der Herr, der die Harmonie in der Unterschiedlichkeit schafft, wird euch beschützen", sagte Franziskus.

An der Messe im katholischen Seelsorgezentrum nahmen rund 300 Gläubige teil, hauptsächlich in Aserbaidschan berufstätige Ausländer und deren Familien. Mit Rücksicht auf die internationale Zusammensetzung sprach Franziskus weite Teile der Messtexte auf Englisch. Die gesamte katholische Gemeinde zählt nach Kirchenangaben 300 bis 400 Personen. Von den 9,9 Millionen Einwohnern Aserbaidschans sind nach unterschiedlichen Angaben 88 bis 96 Prozent Muslime, die überragende Mehrzahl Schiiten.

 

„Ein bisschen Friede im Herzen“

Franziskus betonte, Glaube und Dienst für andere seien im Christentum nicht zu trennen. Glaube sei weder eine magische Kraft oder eine "Supermacht, die zur Lösung unserer Probleme dient", noch eine Tröstung für "ein bisschen Frieden im Herzen". Glaube sei ein Geschenk, "das nur Frucht bringt, wenn wir unseren Teil tun". Dazu gehörten Gebet wie auch konkrete Nächstenliebe und gesellschaftliches Engagement.

In den 30er-Jahren waren unter der Sowjetherrschaft die einzige katholische Kirche Aserbaidschans zerstört und der letzte Priester ermordet worden. Seither blieben die Katholiken des Landes für 60 Jahre ohne eigenes Gotteshaus und Geistlichen. In dieser Zeit gewährten russisch-orthodoxe Gemeinden den Katholiken Aufnahme und seelsorgliche Unterstützung.

Ein katholischer Priester kam erst 1997 wieder nach Baku, ein junger Pole. Heute ist die Seelsorge dem Salesianer-Orden anvertraut. In ihrem Zentrum in Baku sind sechs Priester und drei Ordensbrüder sowie mehrere Mutter-Teresa- und Don-Bosco-Schwestern tätig. Schwerpunkte liegen auf der Jugend- und Sozialarbeit.

Das Grundstück für die Kirche in Bakus Innenstadt unweit der Strandpromenade war ein Geschenk von Heydar Aliyev, Vater und Amtsvorgänger des amtierenden Staatspräsidenten, nach dem Besuch von Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 2002. Die Weihe des Gotteshauses erfolgte 2007. Die drei Glocken tragen die Namen des Apostels Petrus, Benedikts XVI. und der Madonna von Tschenstochau.

 

Treffen mit Großmufti

Papst Franziskus ist zum Abschluss seiner Kaukasusreise von Großmufti Allahschükür Paschazade empfangen worden. Die Begegnung fand als interreligiöses Treffen in der Heydar-Aliyev-Moschee in Baku statt. Paschazade rühmte das Zusammenleben der Religionen in Aserbaidschan als Vorbild für die Welt und lud zu einer Fortsetzung des Dialogs ein. Franziskus mahnte die Glaubensgemeinschaften, sich aktiv für die Lösung der Konflikte einzusetzen. Erstmals wohnten einem Besuch eines Papstes in einer Moschee auch Vertreter orthodoxer Kirchen und des Judentums bei.

Der Großmufti des Kaukasus nannte die ethnische und religiöse Vielfalt den "nationalen Reichtum" seines Landes. Multikulturalität sei Teil der staatlichen Politik. Weiter lobte er die "fruchtbare und effektive" Zusammenarbeit mit dem Vatikan. Paschazade gehörte zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs der 138 Islamgelehrten, mit dem diese 2007 zu einer Intensivierung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen aufriefen. Der 67-Jährige ist eine geistliche und fachliche Autorität für den in Aserbaidschan dominierenden schiitischen wie für den sunnitischen Islam.

Franziskus hält eine Antwort der Religionen auf Gewalt für unaufschiebbar. Es sei "die drängende Stunde, geduldige Prozesse der Versöhnung einzuleiten", so der Papst. "Gott und die Geschichte selbst werden uns fragen, ob wir uns heute für den Frieden eingesetzt haben", sagte er. Die Frage der Zeit sei nicht die, "wie wir unsere Interessen verfolgen können, sondern welche Lebensperspektiven wir den kommenden Generationen bieten, wie wir eine Welt hinterlassen können, die besser ist als die, welche wir empfangen haben".

Religionen hätten deutlich zu machen, "dass die begrenzten Fähigkeiten des Menschen und die Güter dieser Welt niemals zu absoluten Größen werden dürfen". Die Glaubenslehren sollten "das Beste des Menschen zum Vorschein zu bringen", so der Papst. Religionsführer trügen die große Verantwortung, den Menschen auf der Suche nach Orientierung "echte Antworten" zu bieten.

Aufgabe jeder Zivilgesellschaft sei es, der Religion "wirkliche und echte Freiheit zu garantieren", sagte der Papst in der Moschee. Erneut wandte er sich gegen jede Instrumentalisierung von Glaubenslehren für Konflikte und Unterdrückung. "Niemals mehr Gewalt im Namen Gottes! Sein heiliger Name werde angebetet, nicht geschändet und verschachert von Hass und menschlichen Gegensätzen", sagte Franziskus.

Zum Verhältnis der Religionen untereinander sagte er, es gehe weder um "versöhnlichen Synkretismus" noch um "diplomatische Offenheit, die zu allem Ja sagt". Dagegen betonte er: "Mit den anderen sprechen und für alle beten: das sind unsere Mittel, um Lanzen in Winzermesser zu verwandeln". Erneut sprach er sich für kulturelle Vielfalt aus: "Sich den anderen zu öffnen, macht nicht ärmer, sondern es bereichert, denn es hilft, menschlicher zu sein", so der Papst.

 

Georgien-Reise endet mit Appell zur Kircheneinheit

Seine Georgien-Reise beendet er unterdessen am Samstag mit einem Appell zur Kircheneinheit. In der Swetizchoweli-Kathedrale von Mzcheta, dem geistlichen Zentrum der georgisch-orthodoxen Kirche, rief er zu einem "geduldigen Voranschreiten" in der Ökumene in Vertrauen und Demut auf. Zu der Begegnung mit dem 83-jährigen Patriarchen Ilia II. kamen neben Gesandten anderer Konfessionen auch Regierungschef Giorgi Kwirikaschwili sowie Politiker und Diplomaten.

Auf ein gemeinsames Gebet wurde verzichtet. An der Papstmesse am Vormittag in Tiflis hatte anders als vorgesehen keine georgisch-orthodoxe Delegation teilgenommen. Das Patriarchat verwies auf kirchenrechtliche Hinderungsgründe. Vatikansprecher Greg Burke erklärte, man akzeptiere die Entscheidung.

Ilia II. sagte bei der Begrüßung des Papstes in der Kathedrale, beide Kirchen seien trotz ihrer Grenzen zur Einheit in Christus gerufen. Uneinigkeit und Trennungen dürften nicht an erster Stelle stehen. Dem Papst bekundete er "Wertschätzung und brüderliche Liebe".

Franziskus beklagte die Spaltung der Christen als "Risswunden" im Leib Christi. Zugleich bekannte er sich zu der Hoffnung, die ökumenischen Gegensätze könnten behoben werden. Die Vertreter der Kirchen dürften sich "niemals Gelegenheiten zu Begegnung und Dialog entgehen lassen" und müssten "das bereits Bestehende gemeinsam hüten und verbessern". Als Beispiel verwies der Papst auf den laufenden Dialog in einer gemeinsamen orthodox-katholischen Kommission und anderen Foren.

In der Kommission hatte die georgisch-orthodoxe Kirche allerdings jüngst als einzige anwesende orthodoxe Kirche ein gemeinsames Papier abgelehnt, das als Meilenstein zur Klärung des Papstamtes im ersten Jahrtausend gilt. Auch waren Vertreter des Patriarchats von Tiflis dem orthodoxen Konzil auf Kreta im vergangenen Juni ferngeblieben.

Der Papst äußerte gegenüber Patriarch Ilia II. Verständnis für die Härten, die das christliche Georgien in der Geschichte erlebte. Das Land habe sich "nicht selten" in der Situation gefunden, sich selbst überlassen zu sein, sagte er. Zugleich habe Georgien seine christliche Identität durch "Gesten großer Offenheit, Aufnahme und Integration" gezeigt.