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28.09.2016

Bürgler: Jesuitenoberer soll interkulturell und inspirierend sein

Österreichischer Jesuitenprovinzial Bernhard Bürgler zur Generalkongregation des Ordens: "Ich bin schon gespannt, was Papst Franziskus dem Orden mit auf dem Weg gibt."

"Der neu zu wählende Generalobere der Jesuiten soll kulturübergreifend wirken und eine inspirierende Persönlichkeit sein." Mit dieser Erwartung nimmt Pater Bernhard Bürgler als österreichischer Provinzial des weltweit größten Männerordens erstmals an dessen Generalkongregation in Rom teil, die am kommenden Sonntag, 2. Oktober 2016, eröffnet wird. Neben der Wahl eines neuen Generaloberen geht es bei der mehrwöchigen Versammlung mit Teilnehmen aus der ganzen Welt um die inhaltliche Standortbestimmung und Neuorientierung des Ordens. Zentral sei dabei, wie die Impulse des ersten Papstes aus dem Jesuitenorden in dessen Gemeinschaft selbst aufgegriffen und umgesetzt werden. "Ich bin schon gespannt, was Papst Franziskus dem Orden mit auf dem Weg gibt", so Bürgler am Mittwoch im Interview mit Kathpress.

 

Die Wahl des eines Ordensgenerals ist nötig, weil der amtierende Spanier Adolfo Nicolas (80) bereits vor zwei Jahren angekündigt hatte, sein Amt niederlegen zu wollen. In Anspielung auf seine einstige Machtfülle und sein Gewand wurde der Generalobere der Jesuiten früher auch "schwarzer Papst" genannt.

 

Kulturübergreifend wirken

Weil Europa nicht mehr das alleinige Zentrum des Ordens sei und die Länder der südlichen Hemisphäre immer mehr an Bedeutung gewinnen, sei es wichtig, dass der neu Ordensgeneral "die unterschiedlichen Kulturen gut versteht und kulturübergreifend wirken kann", so Bürgler. "Was heißt Jesuit sein heute", das sei die zentrale Frage der mehrwöchigen Generalkongregation, die aufgrund einer intensiven Vorbereitungsphase diesmal kürzer als sonst ausfallen werde. Zudem gehe es bei den Beratungen um die Frage einer angemessen Form von Leitung - gerade bei einem Orden, in dem der Gehorsam wesentlicher Teil seiner Spiritualität ist.

 

215 Jesuiten aus 62 Ländern

An der Generalkongregation und der Wahl eines neuen Generaloberen nehmen 215 Jesuiten aus 62 Ländern teil. Erstmals in der fast 500-jährigen Geschichte des Ordens findet diese Wahl unter einem Papst statt, der selbst Jesuit ist. Heute zählt die Gemeinschaft heute rund 16.400 Mitglieder weltweit, ca. 11.800 sind Priester. Wie bei anderen Orden auch, ging die Zahl der Mitglieder in den vergangenen Jahrzehnten stark zurück. Vor 50 Jahren, 1966, gab es noch 36.000 Jesuiten, also mehr als doppelt so viele wie heute. Das Gewicht des Ordens verlagert sich gleichzeitig nach Asien und Afrika. In beiden Kontinenten ist die Gemeinschaft im Wachstum begriffen: 63 Prozent der Novizen stammen aus dieser Region.

 

59 Prozent der Wähler des neuen Jesuitengenerals kommen nach Ordensangaben von der Südhalbkugel; bei der letzten Generalkongregation 2008 waren es 45 Prozent. Der Anteil der europäischen Teilnehmer sank unterdessen von 31 auf 26 Prozent. Bei der aktuellen 36. Wahlversammlung stellen die Inder die größte Gruppe, gefolgt von den US-Amerikanern. Alle der bislang 30 Generaloberen der Jesuiten stammten aus Europa; die letzten Amtsinhaber verfügten jedoch über langjährige Erfahrungen aus anderen Kontinenten.