Der wohl bekannteste Exorzist der katholischen Kirche ist tot. Gabriele Amorth, langjähriger Exorzist der Diözese Rom, starb am Freitag, 16. September 2016 im Alter von 91 Jahren in einem Krankenhaus in Rom.
Der im norditalienischen Modena geborene Geistliche wurde durch zahlreiche Bücher, Interviews und Seminare über Teufelsaustreibungen weltweit bekannt. Von seiner Berufung zum Exorzisten der Diözese Rom 1986 bis 2000 hat er nach eigenen Angaben mehr als 50.000 Exorzismen vorgenommen. 1994 gründete der Ordensmann die "Internationale Exorzisten-Vereinigung", die er bis zum Jahr 2000 leitete. Der Vatikan erkannte den Zusammenschluss 2014 offiziell an.
"Ich spreche jeden Tag mit dem Teufel", sagte Amorth 2000 in einem Interview der britischen Zeitung "Sunday Telegraph". Er rede dann Latein. Der Teufel antworte auf Italienisch.
Bis zuletzt blieb Amorth ein streitbarer Anwalt dieser auch innerhalb der katholischen Kirche teils kontrovers debattierten Praxis. Man könne die Realität des Bösen nicht leugnen. Wenn sich die Kirche davon verabschiede, überlasse sie das Feld Kartenlegern, Magiern und Sekten, betonte er.
Der Exorzismus in der katholischen Kirche besteht aus Gebeten sowie Segens- und Beschwörungsformeln. In einfacher Form wird er bei der Taufe vollzogen. Der sogenannte feierliche oder "Große Exorzismus" darf laut dem Kirchenrecht von 1983 nur nach Genehmigung des zuständigen Bischofs von einem geeigneten Priester vorgenommen werden.
1999 legte der Vatikan neue Richtlinien vor, um stärker die Erkenntnisse der Medizin und Psychiatrie zu berücksichtigen. Die 90-seitige Sammlung von Gebeten, Segens- und Beschwörungsformeln ersetzte eine Fassung von 1614. Nach den neuen Regelungen muss ein Exorzist sorgfältig überprüfen, ob tatsächlich ein Fall von Besessenheit vorliegt. Gegebenenfalls soll er sich mit Medizinern und Psychiatern beraten.