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14.09.2016
Fallstudie zeigt Auswirkungen auf

Dreikönigsaktion: Smartphone-Produktion verletzt Menschenrechte

Fallstudie über Tantalabbau in Bolivien zeigt dessen massiv schädliche Folgen für Mensch und Natur auch außerhalb von Kriegsregionen auf.

Scharfe Kritik am Abbau von Rohstoffen, die für die Produktion von Smartphones und anderen Hi-Tech-Geräten notwendig sind, übt die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (DKA). Das Roden von Wäldern, die Vergiftung von Böden und Wasser durch Chemikalien sowie Verletzungen der Menschenrechte von indigenen Bevölkerungsgruppen seien die Begleiterscheinungen des Abbaus von heute verwendeten seltenen Metallen wie etwa Tantal, zeigte die DKA in einer am Mittwoch, 14. September 2016 präsentierten Fallstudie über Bolivien auf.

 

Vorkommensform im Erz Coltan

Traurige Berühmtheit hatte Tantal, von dem jedes Smartphone rund 40 Milligramm enthält, schon zuvor in seiner häufigsten Vorkommensform, dem Erz Coltan, erlangt, und zwar vor allem in der Demokratischen Republik Kongo: Bewaffnete Gruppen finanzierten sich im jahrzehntelangen Bürgerkrieg aus seinem Abbau und Handel. Somit galt das seltene Metall vorübergehend auch offiziell als "Konfliktmineral". Anfang 2014 wurde dies jedoch infolge der Eröffnung weiterer Lagerstätten - vor allem in Südamerika, wo 40 Prozent der Reserven des chemischen Elements mit der Ordnungszahl 73 liegen - aufgehoben.

 

Wie die Fallstudie - an ihr beteiligten sich auch die Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) und die bolivianische DKA-Partnerorganisation CEDIB - belegt, hat der Tantal-Abbau "auch abseits von Kriegsschauplätzen dramatische Auswirkungen", betont DKA-Experte Herbert Wasserbauer.

 

Der illegale Tantal-Abbau - also jener, der teils in Naturschutzgebieten stattfindet, Kinder- und Zwangsarbeit oder sogar Menschenhandel involviert und daher nicht die geforderten Sozial- und Umweltauflagen erfüllt - boomt derzeit im Osten Boliviens laut der Fallstudie und wird kaum kontrolliert. Beteiligt sind auch große Bergbauunternehmen, die nur für andere Förderungen - etwa von Gold - die Konzession besitzen. Die Gewinne für Zwischenhändler sind astronomisch, die Wälder, Flüsse, Luft und Boden werden dadurch jedoch zerstört und enorme soziale Probleme geschaffen.

 

Sorgfalt bei Beschaffung von Rohstoffen geboten

Gebührende Sorgfalt sei daher bei der Beschaffung von Rohstoffen durch Unternehmen auch jenseits von Listen für "Konflikt- und Hochrisikogebiete" dringend geboten, so die Schlussfolgerung der Studie. Besondere Sorgfaltspflichten zu Tantal sollen in der bevorstehenden EU-Gesetzgebung enthalten sein. Und dies laut DKA zu Recht: Internationale Regulierungsinitiativen und das Durchsetzen der nationalen Vorschriften zählen in Verbindung mit der Schaffung von Einkommensmöglichkeiten abseits des Bergbaus durchaus zu den Lösungswegen für den Tantal-Konflikt, geht aus der Fallstudie hervor. Um eine Diskussion darüber zu eröffnen, hat die DKA die Fallstudie gemeinsam mit einem Fragenkatalog den Tantal-verarbeitenden österreichischen Betrieben zugeschickt.