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08.09.2016
Interviewbuch mit Peter Seewald

Benedikt XVI. bestätigt Kardinal Königs Schlüsselrolle bei Papstwahl 1978

Im neuen Interviewbuch "Letzte Gespräche" des emeritierten Papstes gibt es auch zwei Österreich-Bezüge.

Die zentrale Rolle von Kardinal Franz König bei der Wahl Karol Wojtylas zum Papst hat nun auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. vorsichtig bestätigt. Die deutschsprachigen Teilnehmer am Konklave hätten die Wahl Wojtylas unterstützt, sagt er in dem am Freitag neu erschienen Interviewbuch "Letzte Gespräche" mit Peter Seewald. Die Deutschsprachigen hätten "miteinander gesprochen, aber ohne Verabredungen", schildert Benedikt XVI., der 1978 als frischgebackener Münchner Erzbischof und Kardinal an der Papstwahl teilgenommen hatte. "Ich kann nur sagen, König hat außerhalb des Konklaves zu verschiedenen Kardinälen gesprochen. Was drinnen war, bleibt weiterhin geheim."

 

Er selbst habe keinen Anteil an der Wahl Johannes Pauls II., so der zurückgetretene Papst. Er sei einer der jüngsten Kardinäle im Konklave gewesen und habe sich "nicht angemaßt, da irgendwie eine Rolle spielen zu wollen", so Benedikt XVI. Die Kardinäle hätten miteinander die Dinge beraten. "Aber ich selber habe nicht irgendwie Politik gemacht. Das schien mir meiner Situation nicht angemessen zu sein."

 

"Von mir hat der 'Führer' nicht profitiert"

Weitere direkte Bezüge zu Österreich kommen in dem neuen Interviewbuch nicht vor. Die einzigen beiden Ausnahmen: Aus der Zeit unmittelbar nach seiner Priesterweihe erinnert sich der emeritierte Papst an Exerzitien mit dem Wiener Kamillianer-Pater Robert Svoboda, der mit "mit Frische, Kraft und Entschiedenheit" gepredigt habe. Ebenfalls im Buch enthalten sind die von Joseph Ratzinger bereits einmal beschriebenen Erinnerungen an seine Zeit im Burgenland gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.

 

Im Herbst 1944 war der spätere Papst als 17-Jähriger zum sogenannten Reichsarbeitsdienst abkommandiert und in Deutsch-Jahrndorf am Dreiländereck Österreich-Slowakei-Ungarn eingesetzt. "Direkt neben uns war die ungarische Grenze. Wir mussten auch auf den Paprikafeldern Erntearbeit leisten. Unsere Unterkunft bestand aus primitiven Baracken", schildert Benedikt XVI. in "Letzte Gespräche".

 

Im Nordburgenland musste er auch beim Stellungsbau am "Südostwall" mitarbeiten, mit dem die deutsche Wehrmacht zu Kriegsende die heranrückenden russischen Truppen aufhalten wollte. "Die ersten vierzehn Tage, vielleicht sogar drei Wochen, wurde nur exerziert. Dann ist der Krieg näher gerückt", beschreibt Benedikt XVI.: "Wir sind mit dem Rad zum Einsatzort, ja, und dann hat man da halt herumgegraben." Er selbst sei "ein schlechter Schaufler" gewesen, erinnert sich der emeritierte Papst. "Es gab einige Tüchtige, so Bauernbuben, die das richtig konnten. Von mir hat der 'Führer' jedenfalls nicht profitiert", so Benedikt XVI. wörtlich.