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29.08.2016
Fördergelder der Stadt Wien eingestellt

Wiener Katholischer Familienverband kritisiert Förderungsaus für "Omadienst"

Wiener Verbandsvorsitzende Fruhwürth: "Sind Opfer des Förderchaos der Stadt Wien".

Der Katholische Familienverband der Erzdiözese Wien (KFVW) hat dagegen protestiert, dass die Stadt Wien den 1973 gegründeten "Omadienst" des Verbandes "im Stich lässt". Die zuständige Magistratsabteilung MA10 habe ihre Fördergelder für diese bewährte Form der Kinderbetreuung zur Gänze eingestellt, was das Aus für den vom Wiener Verband angebotenen Omadienst bedeute.

 

"Wir sind Opfer des derzeitigen Förderchaos der Stadt Wien", ärgerte sich die Wiener Verbandsvorsitzende Barbara Fruhwürth in einer Aussendung am Montag, 29. August 2016. "Wir baden aus, was andere Kinderbetreuungseinrichtungen verursacht haben." In einem offenen Brief an die Wiener Stadtregierung sowie an familienpolitische Vertreter brachte sie Argumente vor, die zu einer Kehrtwendung führen sollen.

 

Einerseits fördere die Stadt Wien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, andererseits stoppe sie Unterstützungen von innovativen Betreuungsformen, kann Fruhwürth den Förderstopp nicht nachvollziehen. "Das passt für uns nicht zusammen." Dabei sei sich der KFVW der schwierigen Finanzsituation der Stadt Wien durchaus bewusst: "Seit 2011 haben wir keine weitere Erhöhung unserer Förderung beantragt und stattdessen durch interne Umstrukturierungen den dadurch entstandenen Verlust abgefedert", wies Fruhwürth hin. Dass eine Omadienst-Förderung von rund 20.000 Euro für die Stadt Wien nicht tragbar ist, "können wir uns nicht vorstellen". Dieser Betrag würde den personalintensiven Fortbestand des Betreuungsangebots gewährleisten.

 

Omadienst schließt Lücken in Kinderbetreuung

Der Omadienst schließt bisher laut dem Wiener Katholischen Familienverband Lücken in der Kinderbetreuung, "die weder eine Tagesmutter noch ein Kindergarten oder Hort füllt und für die es kein adäquates Angebot in Wien gibt". Nutznießende seien oft Mütter und Väter, deren Arbeitszeiten außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen liegen - z.B. Mitarbeiterinnen in der Altenpflege, medizinisches Personal, Handelsangestellte oder Journalisten. Andere Eltern benötigten Hilfe bei der Kinderbetreuung während ihrer Weiterbildung, bei der Wiederaufnahme ihrer Berufstätigkeit oder einfach weil sie keine Krippenplätzen für die oft auch sehr kleinen Kinder finden.

 

Niedrigschwellige Unterstützung leiste der Omadienst auch während schwerer Erkrankungen, die Familien in akute Krisensituationen bringen suchen: "Dank eines kleinen Hilfsfonds - zur Verfügung gestellt von 'Licht ins Dunkel' - können wir hier zeitlich begrenzt und nach finanziellen Möglichkeiten sogar eine kostenlose Leihoma vermitteln, erklärte Barbara Fruhwürth.

 

Der KFVW sieht den Omadienst in Zeiten verändernder Familienstrukturen als "zukunftsweisende Betreuungsform". Die Resonanz bei den Betroffenen zeige, "wie sehr eine solche Kinderbetreuung gefragt ist. Wir bieten Familien, was sie benötigen", betonte Fruhwürth. Sie hoffe, dass die Stadt Wien die Notwendigkeit der Einrichtung erkennt und den Förderstopp überdenkt.

 

Jahrelange Begleiterin der Kinder

Der Omadienst des KFVW wurde 1973 gegründet und zeichnet sich durch eine langfristige Betreuungsform aus. Die Leihoma wird in die Familie integriert und ist so eine jahrelange Begleiterin der Kinder. Bei der Auswahl der Leihomas arbeitet der KFVW nach strengen Richtlinien. Diese inkludieren ein persönliches Gespräch, das Vorlegen eines Leumundszeugnisses und der Besuch von Schulungen. Die Vermittlung selbst erfolgt nach den jeweiligen Wünschen der Familie und der Leihoma sowie aufgrund geographischer Nähe. Diese Vorgehensweise bietet Familien laut KFVW ein "höchstmögliches Maß an Sicherheit mit relativ wenig Aufwand".

 

Protest des Seniorenbundes

Der Förderstopp für den Wiener "Omadienst" ist auch für den Österreichischen Seniorenbund "völlig inakzeptabel". Bundesvorsitzende Ingrid Korosec gab mit einer eigenen Protestaussendung dem Wiener Katholischen Familienverband, dem Träger dieser bewährten Form der Kinderbetreuung, Rückendeckung. Dass die Stadt Wien die "ohnehin geringe" Förderung für den Omadienst streichen will, sei "eine Katastrophe für die betroffenen Familien, die dadurch ihre gewohnte Betreuungsperson verlieren", und eine Katastrophe für jene Wahl-Omas und -Opas, die durch diese Einrichtung eine bedeutende Lebensaufgabe sowie ein kleines Einkommen zu ihrer Pension verzeichnen konnten. Auch für den Seniorenbund bietet der Omadienst einen "wichtigen Lückenschluss in der Kinderbetreuung insbesondere außerhalb üblicher Öffnungszeiten oder in besonders anfordernden Familien- und Lebenssituationen".