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Dominikaner
04.08.2016

Beten mit dem hl. Dominikus: Die Zuneigung Gottes erwidern

Aus den Gebetsweisen des heiligen Dominikus. Eine Serie des SONNTAG: Teil 1 von 3

 

Für unsere Betrachtungen sind drei Bilder aus der mittelalterlichen Bildhandschrift „Gebetsweisen des heiligen Dominikus“ der jeweilige Ausgangspunkt. Entstanden sind die Bilder wahrscheinlich um 1280 im Predigerkloster zu Bologna. Sie zeigen die körperliche Haltung des Heiligen beim Gebet. Diese ist Ausdruck seiner inneren Erfahrung. Die älteste erhaltene Abschrift wird in der vatikanischen Bibliothek aufbewahrt.


Wenden wir uns in diesem Teil dem ersten unserer Bilder zu.

 

Es zeigt Dominikus in geneigter Haltung vor dem Kreuz. Der Gekreuzigte neigt ihm sein Haupt zu. Mir kommt dabei die Ihnen wohlbekannte Erzählung aus dem Lukasevangelium in den Sinn. Die Erzählung vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater. Sie erinnern sich: Der Vater sieht den Sohn heimkommen, läuft ihm entgegen und fällt ihm um den Hals.

 

Die unglaubliche Zuneigung des Vaters wird hier sichtbar. Der Vater beugt sich vor dem Sohn und ermöglicht so dem Sohn, sich vor ihm zu beugen, sich in seine Arme zu geben. Die „Zu-Neigung“ des Vaters zum Sohn ermöglicht dem Sohn, sich dem Vater zuzuneigen, mit ihm versöhnt zu werden.
 

Vater und Sohn

Gott beugt sich in Jesus vor dem Menschen, neigt sich ihm zu. Jesus ist die Zuneigung Gottes zu uns Menschen. Dominikus erkennt diese Zuneigung Gottes und nimmt selbst die Haltung der Beugung an. Er neigt sich in Demut, weil er erkennt, dass Gott sich ihm zuwendet in Christus. Er neigt sich dem zu, der sich ihm zuneigt.

 

Die Begegnung von Dominikus und Gott in Christus geschieht wie zwischen dem Vater und dem heimkehrenden Sohn. Dominikus erkennt in Christus den entgegeneilenden Vater, der ihn annimmt. „Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu sein“, sagt der Heimkehrende zum Vater. Dominikus bringt in seiner geneigten Haltung zum Ausdruck, dass nicht seine Leistung, sondern die Barmherzigkeit des Vaters rettet.


Wenn uns diese Haltung des heiligen Dominikus überliefert ist, dann wohl nicht nur, um seine Art zu beten aufzuzeigen. Vielmehr soll sie unser Gebet leiten. Erkennen wir wirklich Gott als diesen Vater, der sich uns zuneigt in unendlicher Liebe und Barmherzigkeit? Erkennen wir dieses große Geschehen, dass sich Gott vor uns beugt im menschgewordenen Wort der Liebe?
 

Sich neigen

Gott wird Mensch, um uns entgegenzueilen wie der barmherzige Vater. Das zu erkennen müsste eigentlich auch für uns heißen: Wie Dominikus sich neigen vor Christus – zuneigen zu dem, der uns in die Arme schließen will. Sich nicht beugen vor den Zwängen dieser Welt, vor dem scheinbar Unvermeidlichen unseres Lebens, sondern allein vor dem, der Heil und Leben bedeutet: Christus, dem Heiland.


Diese Haltung bedeutet aber auch, eins zu werden mit dem sich zuwendenden Gott.

 

Die Zuneigung zur Haltung meines Lebens zu machen heißt, sich denen zuzuwenden, die der Zuneigung bedürfen. Sich mit Gott auf den Weg machen und denen entgegeneilen, die auf der Suche nach dem Heil sind. Dominikus hat sich auf den Weg gemacht, um diesen Menschen zu begegnen. Wenn wir wie er beten, wird es nicht nur zu unserem Heil sein, sondern auch Auftrag, anderen die Begegnung mit der Zuneigung Gottes zu ermöglichen, wie Dominikus es tat.