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24.07.2016
Ansprache in ARD-Fernsehen

Münchner Kardinal Marx wirbt nach Amoklauf für Vertrauen statt Angst

"Wort zum Sonntag" in ARD: Gegen Saat der Angst, der Gewalt und des Hasses "werden wir als Christen aufstehen.

Einen Tag nach dem Münchner Amoklauf hat Kardinal Reinhard Marx die Menschen zu einem stärkeren Miteinander aufgerufen. Am späten Samstagabend, 23. Juli 2016 forderte er im ARD-Fernsehen eine Atmosphäre des Vertrauens, des Respekts und der Solidarität. "Wenn wir nicht immer neu lernen - so verschieden wir sind in Traditionen, Weltanschauungen, Religionen und Konfessionen - miteinander und füreinander zu leben, werden die Terroristen und Gewalttäter weiterhin die Saat der Angst, der Gewalt und des Hasses ausstreuen. Dagegen werden wir als Christen aufstehen." Der Erzbischof von München und Freising äußerte sich in der Sendung "Wort zum Sonntag", die aus Anlass der Gewalttat mit zehn Toten kurzfristig geändert wurde.

Als konkrete Schritte nannte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz das Gebet, Zeugnis für das Evangelium und den "Einsatz für alle Bedrängten, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe". Eine solche Haltung sei weder naiv noch unrealistisch, fügte Marx hinzu. "Die Zukunft gehört nicht der Gewalt, dem Hass und dem Kampf gegeneinander, sondern der Hoffnung, dass die eine Menschheitsfamilie im gemeinsamen Haus der Erde Heimat findet."

Mit Blick auf die Taten von Nizza, Würzburg und München äußerte Marx die Überzeugung, dass am Anfang die Angst vor dem Verlust der eigenen Lebenswelt stehe. Deshalb würden andere als Bedrohung oder Feinde gesehen. Der Kardinal wörtlich: "Konsequenterweise arbeiten der Terrorismus und auch sogenannte ideologische Einzeltäter und Amokläufer mit der Waffe der Angst." Deren Ziel sei, Angst zur beherrschenden Grundstimmung zu machen und das gesellschaftliche Miteinander zu vergiften. "Als Christen können und wollen wir es nicht zulassen, dass die Angst unser Leben beherrscht", betonte Marx.

 

Franziskus ging nach Angelusgebet auf Bluttaten ein

Zum wiederholten Mal hat Papst Franziskus nach dem Angelusgebet auf dem Petersplatz der Opfer von Terror und Gewalt gedacht. "In diesen Stunden ist unsere Seele wieder durch traurige Nachrichten erschüttert, die im Zusammenhang mit beklagenswerten Terrorakten und Gewalt stehen, die Schmerz und Tod verursacht haben", sagte der Papst am Sonntag, 24. Juli 2016. "Ich denke an die dramatischen Ereignisse in München und im afghanischen Kabul, wo viele unschuldige Menschen getötet wurden."

Franziskus ging damit auf den Amoklauf von Freitagabend in München ein, der für ihn bereits Anlass für ein Beileidstelegramm an den Münchner Kardinal Reinhard Marx. Zugleich erwähnte er den Selbstmordanschlag am Samstag in Kabul: Bei einer Demonstration von Schiiten hatten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, mindestens 80 Menschen starben. Die sunnitische IS-Terrormiliz bekannte sich Medienberichten zufolge zu der Tat.

"Ich bin den Familien der Opfer und den Verwundeten nahe. Ich lade sie ein, sich meinem Gebet anzuschließen, damit der Herr alle zu guten Vorsätzen und Brüderlichkeit inspiriert", wandte sich der Papst an die Gläubigen auf dem Petersplatz. "Je unüberwindbarer die Schwierigkeiten erscheinen und je düsterer die Aussichten auf Frieden und Sicherheit sind, desto eindringlicher muss das Gebet sein."

Im Anschluss an diesen Appell verweilte Papst Franziskus einen Moment in Stille und betete danach mit den Gläubigen auf dem Platz ein Ave Maria.