Ein Rekord für die Ewigkeit. Die meisten Siege. Die meisten Punkte. Der größte Vorsprung. Der höchste Sieg. Die meisten Titel, die meisten Kristallkugeln …
Nicht nur Journalisten, die naturgemäß ständig Sensationen hinterherjagen, finden immer neue Superlative – auch manchen Spitzensportlern scheint nichts wichtiger zu sein, als einen Rekord für die Ewigkeit aufzustellen und ihren Namen uneinholbar an der Spitze der „Ewigbestenlisten“ zu sehen.
Lindsey Vonn ist mit 76 Weltcupsiegen und 20 Kristallkugeln längst die erfolgreichste Schifahrerin aller Zeiten. Und doch ist sie wie besessen davon, auch die wenigen Bestmarken, die noch von anderen Läuferinnen behauptet werden, zu knacken. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi duellieren sich Jahr für Jahr mit Torrekorden um die Kür zum Weltfußballer.
Dahinter ist die Sehnsucht erkennbar, sich selbst unsterblich zu machen, etwas zu schaffen, das die Zeiten überdauert und bleibt. Doch ewiger Ruhm bedeutet nicht ewiges Leben.
Durch Rekorde kann sich jemand selbst ein Denkmal setzten oder zur Legende werden. Im Psalm 49 heißt es: „Das Grab ist ihr Haus auf ewig, ist ihre Wohnung für immer, ob sie auch Länder nach ihrem Namen benannten.“ (Ps 49,12)
Tatsächlich verströmen solche „Ruhmeshallen“ immer eine sehr morbide, unheimliche Atmosphäre. Und so mancher Sportler ist schon am Mythos um seine Person zerbrochen. Dann hindert der ewige Ruhm eher am Leben.
Der unerreichbare Erfolg macht den Menschen unnahbar und in seiner herausgehobenen Position einsam. „Niemand kann das nachempfinden, was ich erlebe“, meinte jüngst Marcel Hirscher in einem Interview.
Zu Ostern feiern wir die Auferstehung zum ewigen Leben.
Den Weg dorthin, wie ihn Jesus aufzeigt und vorlebt, kennzeichnen aber ganz andere Kriterien:
Wer versucht, sein Leben festzuhalten und zu bewahren, der wird es verlieren. Wer aber sich selbst loslassen und sich an den Augenblick hingeben kann, wird das Leben gewinnen. (vgl. Lk 17,33)
„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Mt 16,26)
Die Ewigkeit begegnet mir nicht am Ende der Zeit, sondern im jetzigen Augenblick. Christus sagt nicht: „Wer an mich glaubt, wird unsterblich.“ Er sagt: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11,25).
Diese Erfahrung machen ja auch die Sportler. Wenn jemand allzusehr den angestrebten Erfolg im Kopf hat, wird er ihn gerade dadurch verfehlen. Schnell Schifahren oder ein gutes Fußballspiel abliefern kann ich nur, wenn meine ganze Aufmerksamkeit auf das fokussiert ist, was ich momentan tue.
Und je mehr Augenblicke meines Daseins ganz mit Leben erfüllt sind, umso mehr nehme ich mit in die Ewigkeit.