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16.07.2016
Patriarch nach Slowenien gereist

Patriarch Bartholomaios I. nach Putschversuch in Sicherheit

Ehrenoberhaupt der Orthodoxie verließ Türkei nur wenige Stunden vor militärischem Umsturzversuch in der Nacht auf Samstag Richtung Slowenien.

Das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., hat die Türkei nur wenige Stunden vor dem militärischen Umsturzversuch in der Nacht von Freitag auf Samstag, 16. Juli 2016 verlassen. Er nahm eine der letzten Maschinen, die noch vom Flughafen Atatürk bei Istanbul abheben konnten, wie am Samstag aus Kirchenkreisen verlautete. Demnach befindet er sich nun in Slowenien, wo er eine Wallfahrt zur Kirche des hl. Bartholomäus (Sveti Jernej nad Muto) unternehmen will. Die Kirche befindet sich im slowenisch-steirischen Grenzgebiet.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Flug des Patriarchen nach Ljubljana bereits im Vorfeld geplant worden sei, hieß es. Vielmehr sei der Patriarch kurzfristig gewarnt worden, dass ein Aufstand der türkischen Luftwaffe und Einheiten der Bodentruppen gegen den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan bevorstehe.

Nachdem die türkische Regierung den Putsch für gescheitert erklärte, besteht aus Sicht von Beobachtern nun die Gefahr, dass die angekündigten Vergeltungsmaßnahmen auch das Ökumenische Patriarchat treffen könnten. Der Vorwurf, die islamische Bewegung (Hizmet) von Fethullah Gülen sei verantwortlich für den Umsturzversuch, könne auch Bartholomaios schaden. Er hatte in der Vergangenheit enge Beziehungen zu Gülen unterhalten.

Der religiöse Führer und einflussreiche islamische Reformer ist ein Gegner der AKP und lebt seit 1999 im Exil in den USA. Gülen, der sich von einem Erdogan-Unterstützer zu einem scharfen Kritiker des türkischen Präsidenten gewandelt hat, hat den Vorwurf einer Beteiligung am Putschversuch am Samstag zurückgewiesen.

Eine schnelle Rückkehr des Patriarchen nach Istanbul ist unbestätigten Informationen zufolge vorerst nicht geplant. Bartholomaios I. werde zunächst zu einem Erholungsurlaub in die französischen Alpen reisen.

 

Kirche in der Türkei: Keine Bedrohung durch den Putsch

Nach dem Putschversuch in der Türkei gibt sich die katholische Minderheitenkirche ruhig. Weder während des Putschs noch im Zuge der Rückeroberung der Kontrolle durch die Regierung habe es Bedrohungen gegeben, sagte der Generalsekretär der Türkischen Bischofskonferenz, Anton Bulai, am Samstag der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Wir haben geschaut, wie sich die Dinge entwickeln, wie die Leute reagieren", so der Franziskaner-Minoritenpater telefonisch aus Istanbul.

Zur Möglichkeit eines weiteren Islamisierungsschubs unter Präsident Recep Tayyip Erdogan wollte sich der Vertreter der Bischofskonferenz nicht äußern. "Es ging nicht gegen Christen oder Religionen. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir ruhig", sagte Bulai.

Auch der Sprecher der Bischofskonferenz, Rinaldo Marmara, äußerte sich zurückhaltend. Er sprach von einer heiklen Situation. Wie auch sonst bei politischen Fragen sei mit einer Kommentierung durch die Bischöfe nicht zu rechnen, sagte Marmara unter Verweis auf die Minderheitensituation der Christen und den fehlenden Rechtsstatus der katholischen Kirche in der Türkei. Man werde in jedem Fall erst die Entwicklung der nächsten Tage abwarten.

Die in sieben Verwaltungsbezirke gegliederte katholische Kirche in der Türkei zählt nach vatikanischen Angaben rund 46.000 Gläubige unter 79 Millionen Einwohnern.