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Der Sonntag
06.07.2016

Leben und Tod in der Urlaubszeit

Loslassen kann nur der wirklich, der von etwas Größerem weiß im Leben.

 

Wahrscheinlich lässt es sich statistisch gar nicht belegen, aber ich habe den Eindruck, dass der Tod zweimal im Jahr besonders reiche Ernte hält: im späten Februar, wenn der Winter zu lange dauert – und im Sommer, wenn es heiß ist und der Kreislauf doppelte Arbeit hat.


Der Karikaturist Manfred Deix ist dieser Tage gestorben, die Schauspieler Bud Spencer und Götz George, der Schriftsteller Elie Wiesel...

 

Ich habe keinen von ihnen persönlich gekannt. Trotzdem stelle ich mir bei solchen Todesnachrichten die Frage: Wie sind sie gestorben?

 

Neugierig auf das, was kommt? Oder in Verbitterung über alles, was sein hätte können, aber doch nicht war?

 

Hat der Glaube Bud Spencer Kraft gegeben? Hat Manfred Deix in Frieden sterben können, vielleicht sogar versöhnt mit dem Gott, gegen den er so rebelliert hat?... Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf.

 

Sie werden nun vielleicht sagen: Was ist denn das für ein schwermütiges Thema für den Urlaubsbeginn? Jetzt geht es doch um Freizeit, um Sonne, um Freude, um Leben!


Gerade das ist doch ein guter Zeitpunkt für die Übung vom Guten Tod, wie Don Bosco die Stunden genannt hat, in denen er und seine Buben sich eingeübt haben in das Leben ganz bei Gott, dass wir Totsein nennen.

 

Sterben (ewiges Leben) kann man lernen, und die wichtigste Übung dazu ist das Loslassen – und wann kann man besser trainieren, wie man vermeintlich Wichtiges loslässt, als im Urlaub?

 

Und loslassen kann nur der wirklich, der von etwas Größerem weiß im Leben, das er nicht festhalten muss, weil es ihn selber hält und trägt, unaufgefordert, ungeschuldet, ohne Ende.

 

Sich diesem Größeren zu nähern braucht Muße und inneres Freisein, vielleicht auch einen Tapetenwechsel. Der Urlaub ist also wie geschaffen dafür. Und dann belebt er auch.