Mit einem festlichen Gottesdienst ist am Sonntag, 26. Juni 2016 in der Peter-und Paul-Kirche in Chania das "Heilige und Große Konzil" der orthodoxen Kirche zu Ende gegangen. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. konzelebrierte die Göttliche Liturgie mit den Oberhäuptern der anderen autokephalen (selbständigen) orthodoxen Kirchen. In seiner Predigt sagte der Patriarch laut der Stiftung Pro Oriente wörtlich: "Wenn das 21. Jahrhundert das 'Jahrhundert der Orthodoxie' sein kann - wie treffend gesagt worden ist - , dann hat das 'Heilige und Große Konzil' durch die Gnade Gottes den Grundstein für die Verwirklichung dieser gottgefälligen Vision gelegt".
Die Kirche müsse als "substanziell synodal" verstanden werden, das ganze Leben der Kirche sei ein "Leben in synodaler Form", so das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie weiter. Ein anderer Begriff für diese wesenhafte Eigenschaft der Kirche sei "Konziliarität", der die Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität der Kirche charaktisiere.
Bei der öffentlichen Schluss-Sitzung des Konzils in der Orthodoxen Akademie von Kolymbari hatte Bartholomaios I. betont: "In dieser Woche haben wir alle, in diesem Obergemach versammelt, die lebensspendende Gnade des Heiligen Geistes erlebt. Wir haben unsere Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht - offen und ehrlich, aber zugleich voller Respekt und auf brüderliche Art. Wir haben Geschichten und Beispiele erzählt - in Verantwortung und Sensibilität untereinander und gegenüber den Gläubigen unserer Kirchen, ja der ganzen Welt".
Der Ökumenische Patriarch ging unumwunden auf die Schwierigkeiten ein, die das Konzil begleitet hatten - insbesondere durch die Abwesenheit der Patriarchen von Antiochien, Moskau, Georgien und Bulgarien. Aber er ließ auch keinen Zweifel daran, dass er das Konzil als den gegebenen Weg zur Herstellung und Darstellung der panorthodoxen Einheit sieht: "Trotz aller Unzulänglichkeiten erkennen wir, dass dieses heilige Konzil uns die Gelegenheit gibt, den konziliaren Prozess wiederzubeleben, sodass kirchliche Konzilien von neuem zur kanonischen und natürlichen Art und Weise werden, um die orthodoxe Einheit zu erreichen und auszudrücken". Bartholomais I. deutete damit an, dass es in Zukunft häufiger zu konziliaren Versammlungen kommen könnte, was auch als Möglichkeit interpretiert wird, um jetzt noch fernstehende orthodoxe Kirchen doch noch mit ins Boot zu holen.
Der Patriarch legte bei der Schlusssitzung ein ausdrückliches Bekenntnis zur Ökumene ab: "Alle von uns haben die vitale Bedeutung des Dialogs mit anderen christlichen Kirchen betont". Und er wandte sich auch ausdrücklich an die Beobachter aus anderen christlichen Kirchen, die an der Auftakt- und an der Schlussveranstaltung des Konzils teilnehmen konnten. "Im Namen all unserer orthodoxen Schwesterkirchen, der Vorsteher der selbständigen orthodoxen Kirchen und dieses Heiligen und Großen Konzils bitten wir Sie, unsere Grüße und unsere Liebe Ihren Kirchen und kirchlichen Organisationen zu überbringen".
Auch in den Schlussworten der Oberhäupter der anderen autokephalen Kirchen wurde die historische Bedeutung des "Heiligen und Großen Konzils" hervorgehoben. Sie äußerten zugleich ihre Überzeugung, dass mit der Versammlung auf Kreta eine "neue Ära der Konziliarität" begonnen habe, die für die Orthodoxie hilfreich sei, ihre Positionen zu den aktuellen Weltproblemen zum Ausdruck zu bringen.