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24.06.2016
Wiener Erzbischof ist Gesandter des Papstes

Kardinal Schönborn reist als Papst-Gesandter nach Weißrussland

Teilnahme Anfang Juli an Feiern zum 25. Jahrestag der Errichtung der Erzdiözese Minsk-Mohilev.

Kardinal Christoph Schönborn reist Anfang Juli als Gesandter von Papst Franziskus nach Weißrussland, um ihn bei den Feiern zum 25. Jahrestag der Errichtung der Erzdiözese Minsk-Mohilev zu vertreten. Die Festlichkeiten finden am 1. und 2. Juli 2016 im Marienwallfahrtsort Budslau rund 150 Kilometer nördlich der weißrussischen Hauptstadt Minsk statt. Auf dem Programm des Kardinals stehen zahlreiche Gottesdienste, Gespräche mit kirchlichen Vertretern und Repräsentanten des öffentlichen Lebens, Besuche karitativer Einrichtungen und der NS-Gedenkstätte Trostinec.

 

In Budslau wird Kardinal Schönborn am 1. Juli die Pilger begrüßen und gemeinsam mit dem Minsker Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz einen nächtlichen Gottesdienst mit Lichterprozession feiern. Der eigentliche Jubiläumsgottesdienst im Marienwallfahrtsort findet am Samstag, 2. Juli. statt. Diesem Gottesdienst wird Kardinal Schönborn in Vertretung des Papstes vorstehen und die Predigt halten.

 

„Erneuerung und Entwicklung“

Nach einer Zeit der Verfolgung und der Nicht-Existenz hierarchischer Strukturen in der früheren Sowjetunion habe Papst Johannes Paul II. vor 25 Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und die Basis für eine "Erneuerung und Entwicklung" der katholischen Kirche in Weißrussland gelegt, betont Erzbischof Kondrusiewicz in einem Schreiben anlässlich des Jubiläums. Die Erzdiözese Minsk-Mohilev sei nun dabei, nach 25 Jahren des Bestehens ein neues Kapitel ihrer Geschichte zu beginnen. Besonderes Augenmerk wolle die Kirche künftig auf die Glaubensvermittlung, die Jugend und Familien richten. Zusätzlich brauche es auch neue Kirchen, so der Erzbischof.

 

Etwa 15 Prozent der rund zehn Millionen Einwohner Weißrusslands bekennen sich zur katholischen Kirche. Viele davon gehören der polnischen Minderheit an. Die katholische Kirche ist die zweitgrößte Konfession im Land. Von allen russisch-orthodox geprägten Ländern ist es das Land mit der größten römisch-katholischen Minderheit. Neben der Erzdiözese Minsk-Mogilew besteht die katholische Kirche in Weißrussland noch aus den Diözesen Grodno, Pinsk und Witebsk. Zur Erzdiözese Minsk-Mohilev gehören rund 625.000 Katholiken, zur Diözese Grodno 575.000, zur Diözese Pinsk 42.000 und zur Diözese Witebsk 173.000.

 

Treffen mit Metropolit Pavel

Die orthodoxe Kirche ist die mit Abstand stärkste Konfession in Weißrussland. Kardinal Schönborn wird im Rahmen seines Besuchs auch mit Metropolit Pavel zusammentreffen, dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Weißrussland, die zum Moskauer Patriarchat gehört.

 

Auf dem Besuchsprogramm des Kardinals steht weiters das Caritaszentrum St. Lukas bei Minsk. Hier können krebskranke Kinder und ihre Mütter während der Behandlung in der nahe gelegenen Kinderkrebsklinik kostenlos wohnen. Vielen leukämiekranken Kindern aus armen Familien vom Land würde sonst eine Behandlung verwehrt bleiben, da die Bezahlung der Reise und der Unterkunft, um in einer Klinik in der Stadt eine Therapie machen zu können, für sie nicht leistbar ist. Seit der Eröffnung 2004 konnten über 1.300 Kinder im Caritaszentrum bleiben, das von der österreichischen Caritas unterstützt wird.

 

Viel beachtet wird sicher auch der Besuch des Kardinals bei der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Trostinec. In Maly Trostinec, nur wenige Kilometer außerhalb der weißrussischen Hauptstadt Minsk, wurden von den Nazis bis zu 13.000 österreichische Juden ermordet. Viele der Deportierten wurden im nahe gelegenen Wald von Blagovscina erschossen. Insgesamt sollen bis zu 60.000 Menschen in dem Lager und Umgebung den Tod gefunden haben. Derzeit sind Bemühungen um die Erweiterung der Gendenkstätte im Gang.

 

Gute Beziehungen Österreichs zur Kirche in Weißrussland

Seit vielen Jahren gibt es enge Beziehungen zwischen der katholischen Kirche in Österreich - besonders der Diözese Linz - und der katholischen Kirche in Weißrussland. 1996 wurde der Osthilfe-Fonds der Diözese Linz gegründet, über den seither mit mehr als zwei Millionen Euro pastorale Projekte in Weißrussland unterstützt wurden. Immer wieder kam es auch zu gegenseitigen Besuchen hochrangiger oberösterreichischer bzw. weißrussischer Delegationen. Darüber hinaus ist Weißrussland ein Schwerpunktland der Caritas Oberösterreich.

 

Projektpartner des Osthilfe-Fonds sind hauptsächlich die vier weißrussischen Diözesen sowie Ordensgemeinschaften. Dabei werden vor allem Projekte im Bereich der Bildung, Kinder- und Jugendseelsorge sowie im Medienbereich unterstützt. So hilft der Fonds beispielsweise seit 20 Jahren bei der Finanzierung der Priesterseminare in Grodno und Pinsk. Ebenso werden Initiativen in Pfarren finanziert; etwa die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in das Leben der Pfarre der Redemptoristen in Grodno.

 

Langjähriger Projektpartner des Osthilfe-Fonds ist zudem der Verlag Pro Christo, der religiöse Literatur und Behelfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene herausgibt, ebenso wie Zeitschriften. Außerdem führt er eine Buchhandlung. Das Medienbüro der Bischofskonferenz wurde finanziell unterstützt, wie auch eine Vielzahl an kleineren Medienprojekten in Diözesen und Pfarren.

 

Die Caritas Oberösterreich engagiert sich bereits seit 1991 für bedürftige Menschen in Weißrussland - auf Initiative der Zeitschrift "Welt der Frau" kam 1991 die erste Gruppe von Tschernobyl-Kindern nach Oberösterreich. Parallel zur materiellen Hilfe wurde Schritt für Schritt zuerst in Minsk und dann in den anderen weißrussischen Diözesen begonnen, eine Caritas-Organisation aufzubauen. Die Caritas ist heute in Weißrussland eine der größten NGOs im sozialen Bereich.

 

Armenküchen und Winternothilfe

In den von der Caritas unterstützten Armenküchen werden jährlich etwa 100.000 Mahlzeiten ausgegeben. In Grodno erhalten etwa 130 Schulkinder Kinder aus den ärmsten Familien ein Mittagessen in drei Pfarren oder in ihren Schulen. In der Sozialapotheke Grodno erhalten bedürftige Menschen zudem günstig Medikamente und in Gomel erhalten 130 bedürftige Familien einmal pro Monat ein Hilfspaket mit Lebensmitteln von den Mutter-Theresa-Schwestern. Mit dem Winternothilfe-Programm werden jährlich über 1.500 Familien unterstützt, unter ihnen seit 2014 auch Flüchtlinge aus der Ukraine.

 

Die Caritas Oberösterreich unterstützt weiters zahlreiche weißrussische Kinderheim und ist vor allem auch im Caritaszentrum St. Lukas bei Minsk engagiert. Dort können krebskranke Kinder und ihre Mütter während der Behandlung in der nahe gelegenen Kinderkrebsklinik kostenlos wohnen. Vielen leukämiekranken Kindern aus armen Familien vom Land würde sonst eine Behandlung verwehrt bleiben. Seit der Eröffnung 2004 konnten über 1.300 Kinder im Caritaszentrum bleiben.

 

Sorge um Alte und Behinderte

Die Caritas kümmert sich aber auch um alte Menschen, die von Armut und Einsamkeit betroffen sind, sowie um Behinderte. In Grodno wurde beispielsweise ein Heimhilfeprojekt für rund 50 alte Menschen gestartet und in Gomel wurde für 60 behinderte Kinder und junge Erwachsene ein Kinderdorf errichtet.

 

Die Caritas Gomel organisiert weiters laufend Hilfe für inhaftierte Frauen und ihre Kinder, die mit ihnen im Gefängnis leben und die Mutter-Theresa-Schwestern in Gomel sind die einzigen im ganzen Landkreis, die in Zusammenarbeit mit der Caritas eine Armenküche und eine Notschlafstelle für wohnungslose Menschen anbieten.