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24.06.2016
Umstrittenes Ökumene-Papier

Orthodoxes Konzil berät über Reizthema Ökumene

Moderat-liberale Öffnung angestrebt - Erzkonservativ-anti-ökumenischer Flügel der Orthodoxie kennt demgegenüber für alle Nichtorthodoxen, Katholiken inklusive, nur Einordnung als "Häretiker".

Auf der Tagesordnung des orthodoxen Konzils auf Kreta stehen am Freitag, 24. Juni 2016 dem vorletzten Arbeitstag, das umstrittene "Ökumene-Papier" und die geplante "Botschaft". Der Entwurf der "Botschaft", die 20 Punkte umfassen soll, ist bisher nicht veröffentlicht. Die Beratung über das Dokument "Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt" hatte bereits am Donnerstagabend begonnen, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete. Dabei seien die Pro- und Contra-Beiträge besonders kontrovers gewesen.

 

Der Entwurf hatte bereits gleich nach seiner Veröffentlichung heftige Diskussionen wie kein anderes Papier ausgelöst. Der vierseitige Text vermeidet es, die anderen Kirchen namentlich zu nennen, bekräftigt aber mehrfach das Ziel, die Einheit der Christen zu erreichen. Gegen innerorthodoxe Vorbehalte bekennt sich das Dokument ausdrücklich zur Mitarbeit in der Ökumenischen Bewegung - in nationalen, regionalen und internationalen zwischenchristlichen Organisationen. Zugleich spricht es von einer "ernsten Krise der Ökumenischen Bewegung", ohne diese näher zu benennen.

 

Ausführlich geht der Entwurf auf den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ein, zu dessen Gründungsmitgliedern einige orthodoxe Kirchen gehörten, von dem sich aber die Georgische und die Bulgarische Orthodoxe Kirche 1997 und 1998 abwandten. Ausdrücklich heißt es ferner, die orthodoxe Kirche akzeptiere nicht "die Idee der "Gleichheit der Konfessionen" und könne die Einheit der Kirche "nicht als interkonfessionellen Kompromiss akzeptieren".

 

Trotz dieser insgesamt zurückhaltenden Formulierungen geht der Text dem erzkonservativen bzw. antiökumenischen Flügel der Orthodoxen zu weit. Dieser kennt für alle Nichtorthodoxen, Katholiken inklusive, nur die Einordnung als "Häretiker".

 

Ein erster Antrag auf Vertagung des Themas auf eine spätere Konzilssitzung fand keine Zustimmung. Aufgrund der Geschäftsordnung des Konzils, die bei Änderungsanträgen eine Abstimmung nach Kirchen vorsieht und zugleich Einstimmigkeit verlangt, gilt eine Revision der Tendenz des Textes als unwahrscheinlich. Wegen des geforderten Konsenses kann er aber auch durch Gegenstimmen einzelner Kirchen blockiert werden.