Es gibt mancherorts so etwas wie eine innerkirchliche Jammerkultur: Alle starren auf die – bildlich gesprochen – Löcher im Schweizer Käse.
Wie kann der Blick für das Ganze, für das lebendige Wurzelwerk kirchlichen Lebens geweckt werden?
POLAK: Das Stichwort ist „Erinnerung“.
Und zugleich lernt Eure Umgebung kennen:
Ist den Pfarren bewusst, dass sie das Kirchenjahr über große Netzwerke mit unzähligen Menschen guten Willens knüpfen?
POLAK: Ich habe dazu keine empirischen Daten, aber ich fürchte, eher nicht. Und wenn, dann eher im Modus des Klagens, was die Leute alles nicht mehr mitbringen, nicht können, nicht tun ...
Ich empfehle seit Jahren, der Sakramentenvorbereitung ganz hohe Priorität einzuräumen, dies sind die „Wegschneisen“ in die Kirche, sie brauchen besondere Achtsamkeit!
Was tun, wenn neue Christen kommen, die nicht so ohne weiteres dieselbe Kirchenwirklichkeit leben wollen, sondern neue Orte gemeindlichen Lebens in der Pfarre schaffen?
POLAK: : Persönlich und strukturell unterstützen, ganz einfach. So oft passiert das ja noch nicht. Teilhabe ermöglichen, Kontakt pflegen, miteinander lernen...
Wo gibt es Orte, in denen Menschen „Kirche für Beginner“ erleben dürfen?
POLAK: Oje... ich fürchte, da gibt es wenige. In der Zukunft wird es neue Formen des Katechumenats brauchen, Orte und Netzwerke, wo Menschen mitlernen können, was es bedeutet, Christin, Christ zu werden. Davon können auch die Alteingesessenen profitieren.
Pfarren sind oft auf die treue Kerngemeinde fixiert. Wie können sie, die Pfarren, missionarischer, offener werden für neue Orte?
POLAK: Zuallererst einmal neugierig sein auf „die Welt da draußen“!
Da gibt es soviel zu entdecken, zu lernen, zu tun: Die Zeichen der Zeit identifizieren, und zwar jene, die sich in der Umgebung zeigen, die dann im Horizont der „großen“ Zeichen der Zeit bedacht werden sollten.
Absichtslosigkeit ist dabei wichtig – d. h. nicht überlegen, wie ich die anderen für mich gewinne oder überzeuge, sondern wahrnehmen, was sich mir zeigt und dann überlegen, was ich, meine Gemeinschaft beitragen kann.
Werden Orte wie etwa Schule, Krankenhausseelsorge oder die Einrichtungen der Caritas als kirchliche Orte wahrgenommen und wertgeschätzt?
POLAK: Ich fürchte, viel zu wenig. Genau dort aber gibt es für die Kirche so viel zu lernen. Hier braucht es institutionalisierte Lernorte und Prozesse. Dann wären das diakonische Element und das Lernen auch wieder Teil der Gemeindepastoral. Die Kirche kann so Lerngemeinschaft werden.