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21.06.2016
Mission der Orthodoxen Kirche im Mittelpunkt

Orthodoxes Konzil: Erstes Dokument einstimmig angenommen

Thema des Dokuments ist die "Mission der Orthodoxen Kirche in der heutigen Welt".

Nach einer Diskussion ist das erste der sechs Dokumente des Panorthodoxen Konzils am Montagnachmittag einstimmig angenommen worden. Das berichtet der Orthodoxe Pressedienst (OPD) am Dienstag, 21. Juni 2016.

 

Thema des angenommenen Dokuments ist "Die Mission der Orthodoxen Kirche in der heutigen Welt". Wie Metropolit Ignatius von Demetrias und Almyros laut OPD erläuterte, sei der Text das Ergebnis von fünf vor-konziliaren panorthodoxen Konferenzen, die im Schweizer Chambesy abgehalten wurden. Beim Treffen der Ersthierarchen in Chambesy im Jänner sei das Dokument von allen Ersthierarchen mit Ausnahme der Delegation des Patriarchats von Antiochien unterzeichnet worden.

 

Der Text trage den Stempel von Metropolit Johannes (Zizoulas) von Pergamon, der als Vorsitzender der Vorbereitungskonferenzen großen Einfluss auf die Texte hatte, so der OID. Das Konzilsdokument über "Die Mission der Orthodoxen Kirche" sei mit nur wenigen Veränderungen einstimmig angenommen worden, wobei die Änderungsvorschläge von Metropolit Hierotheos Vlachos von Naupaktos (Lepanto) gänzlich zurückgewiesen worden seien. Vlachos hatte laut Beobachtern einen Antrag auf völlige Neufassung des Textes gestellt, da es keine Anpassung der Kirche an die Welt von heute geben dürfe, sondern die Welt sich nach der Kirche zu richten habe. Auch andere griechische Bischöfe hätten für die Ablehnung des Antrags gestimmt.

 

Der Text besteht aus fünf kurzen Abschnitten mit den Überschriften "Die Würde der menschlichen Person", "Freiheit und Verantwortung", "Frieden und Gerechtigkeit", "Frieden und Ablehnung des Krieges" sowie "Die Haltung der Kirche gegenüber Diskriminierung". In einem abschließenden sechsten Teil geht es um 15 Konkretisierungen zur "Sendung der orthodoxen Kirche als Zeuge der Liebe im Dienen". Darin werden karitative Themen ebenso angesprochen wie Ungerechtigkeiten im Wirtschaftssystem, Hunger und Armut in der Welt, Umweltzerstörung und -bewahrung, der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod oder ethische Fragen in den Biowissenschaften.

 

Einmütig beschlossen die Konzilsväter nach Angaben des Sekretariats eine Solidaritätsbotschaft an den Patriarchen der syrisch-orthodoxen Kirche, Ignatius Aphrem II. Dieser war am Sonntag nur knapp einem Anschlag entkommen.

 

Wie es aus Teilnehmerkreisen weiter hieß, schlug der zyprische Metropolit Isaias Kykkotis von Tamasos die Bildung einer ständigen interorthodoxen Behörde für Flüchtlingsfragen und andere Notlagen vor. Die sei mit großem Beifall angenommen worden. Das Konzil dauert noch bis zum Wochenende.

 

Erzbischof: Orthodoxes Konzil könnte alle fünf Jahre tagen

In einem Pressebriefing über den ersten Sitzungstag des orthodoxen "Heiligen und Großen Konzils" auf Kreta hat Erzbischof Job von Telmessos betont, dass es nicht nur um einen breiten Rezeptionsprozess der Konzilsbeschlüsse in der ganzen orthodoxen Welt gehen wird, sondern auch um Schaffung einer "neuen Institution", die "regelmäßig zusammentrifft". Diesen Vorschlag habe der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel bereits vor fünf Monaten bei der "Synaxis" der Oberhäupter der orthodoxen Kirchen in Chambesy geäußert. Dieser ist starker Proponent der Idee, dass das Konzil in regelmäßigen Abständen von fünf bis zehn Jahren zusammentreten soll.

 

Wörtlich sagte Erzbischof Job beim Pressebriefing: "Wir hoffen, dass dieses 'Heilige und Große Konzil' einen neuen Prozess in der orthodoxen Kirche auslösen wird. Wir brauchen das auf weltweiter Ebene." Zugleich betonte er, dass die Abwesenheit von vier Kirchen (Antiochien, Bulgarien, Georgien, Russland) den Charakter des "Heiligen und Großen Konzils" nicht verändere: "Aber wir sind traurig, dass sie nicht hier sind, um mit uns zu diskutieren". Patriarch Bartholomaios habe am Montagmorgen bei der Eröffnung des Konzils daran erinnert, dass alle "bis zum letzten Augenblick" an der Vorbereitung der großen Kirchenversammlung mitgearbeitet hätten. Alle Kirchen hätten ihre Delegationen benannt und Hotelzimmer auf Kreta gebucht.

 

Auch wenn mitgliederstarke Kirchen abwesend seien, habe niemand das Recht, eine bereits im Jänner einhellig getroffene panorthodoxe Entscheidung abzuändern. Wer eine panorthodoxe Entscheidung verändern wolle, müsse den Konsens aller autokephalen Kirchen herstellen. Daher bleibe die Versammlung auf Kreta das "Heilige und Große Konzil" der orthodoxen Kirche, das sei der offizielle Name. In der Geschichte habe es immer wieder Konzilien gegeben, bei denen nicht alle Kirchen vertreten waren, erinnerte Erzbischof Job. So habe etwa das 3. Ökumenische Konzil (im Jahr 431 in Ephesos) ohne Anwesenheit der Kirche von Antiochien stattgefunden. Trotzdem sei es später als 3. Ökumenisches Konzil anerkannt worden.

 

Bei der Eröffnung des Konzils in der Orthodoxen Akademie - wo die Oberhäupter der autokephalen Kirchen im Halbkreis um den Ökumenischen Patriarchen mit jeweils zwei Bischöfen hinter ihnen gruppiert waren - hatte Bartholomaios I. eindringlich daran erinnert, wie sehr der Moskauer Patriarch Kyrill I. bei der "Synaxis" in Chambesy im Jänner die Bedeutung des Konzils als "Faktor der Einheit" hervorgehoben hatte. Der Moskauer Patriarch habe damals auch dazu eingeladen, die Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen orthodoxen Kirchen auf ein "Minimum" zu reduzieren. Kyrill I. habe sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass es darum gehe, durch das Konzil die Einheit der orthodoxen Kirche "sichtbar, ausdrucksstark und überzeugend" darzustellen.