Die evangelische Diözese Niederösterreich hat einen neuen Superintendenten: Lars Müller-Marienburg wurde am Samstag, 18. Juni 2016 in St. Pölten im fünften Wahlgang gewählt. Er setzte sich in der Stichwahl gegen Markus Lintner (Pfarrer in Mödling) mit 47 zu 23 Stimmen durch. Als weiterer Kandidat war der evangelische Pfarrer von Wien-Döbling, Matthias Eikenberg, angetreten. Die Superintendentialversammlung, in deren Rahmen die Wahl stattfand, tagte im Bildungshaus St. Hippolyt. Die Amtseinführung des neuen Superintendenten ist für 15. Oktober in Wiener Neustadt geplant.
Die Wahl war notwendig, da bei der ersten Wahl zum Superintendenten am 23. Jänner kein Kandidat die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Stimmen erhalten hat. Gewählt wurde der neue Superintendent von den Delegierten der niederösterreichischen evangelischen Pfarrgemeinden. An der Wahlsitzung, die Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour leitete, nahm auch Bischof Michael Bünker teil. Der neue Superintendent folgt auf Paul Weiland, der im August des Vorjahres plötzlich verstorben ist.
Zu den Aufgaben des neuen Superintendenten gehört die geistliche Führung der evangelischen Diözese. Er hat die Aufsicht über die kirchlichen Ordnungen und über die schriftgemäße Verkündigung. Zu den bischöflichen Rechten gehören Ordination und Visitation. Die Stellung entspricht damit in etwa jener eines katholischen Diözesanbischofs. Die evangelische Diözese Niederösterreich hat knapp 40.000 Mitglieder in 28 Gemeinden.
In einer ersten Reaktion sagte Müller-Marienburg, er wolle sich "kraftvoll, theologisch und sachlich fundiert" in Kirche und Gesellschaft einbringen und dazu beitragen, "dass die Evangelische Kirche als Teil einer religiösen Vielfalt eine Rolle spielt". Es gelte, jenen eine Stimme zu geben, die Hilfe brauchen. In seinem Führungsstil wolle er sich an jenem seines Vorgängers orientieren: "Paul Weiland ist es auf besondere Weise gelungen, zu kommunizieren und Vertrauen aufzubauen."
Müller-Marienburg wurde 1977 im bayrischen Ansbach geboren. Er studierte evangelische Theologie in München. Nach seinem Vikariat in Linz und seiner Pfarramtskandidatenzeit in Pöttelsdorf wurde er 2010 Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Innsbruck-Auferstehungskirche. Müller-Marienburg ist Mitglied der Synode A.B. und der Generalsynode, Mitglied der Diözesanen Jugendleitung sowie Mitglied der Liturgischen Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Als Senior der Diözese Salzburg-Tirol war er zuletzt Stellvertreter des Superintendenten.
Die Wahl des gebürtigen Deutschen war erst durch eine Änderung in der Wahlordnung möglich geworden, welche bei der Generalsynode der evangelischen Kirche A. und H.B. erst Anfang Juni beschlossen worden war. Die Wahlordnung ermöglicht nun allen Staatsangehörigen von Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie der Schweizer Eidgenossenschaft die Leitung einer evangelischen Diözese. Bisher war das Superintendentenamt österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern vorbehalten.
In die Schar der Gratulanten zur Wahl von Lars Müller-Marienburg zum neuen niederösterreichischen Superintendenten reihte sich auch der katholische Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, ein. "Ich wünsche ihm für sein Wirken alles Gute und freue mich auf die weitere gute und bewährte ökumenische Zusammenarbeit", sagte Küng in einer am Samstagnachmittag verbreiteten Presseaussendung.
Glückwünsche kamen auch vom Präsidenten der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten, Armin Haiderer: "Wir haben bisher hervorragend mit unserer Schwesternkirche zusammen gearbeitet und sind sehr zuversichtlich, dass auch mit dem neuen Superindendenten ein wohlwollendes und gegenseitig bereicherndes Miteinander der Fall sein wird", so Haiderer. Man freue sich daher "auf eine gute geschwisterliche Zusammenarbeit."