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17.06.2016

Leitenberger: Es gibt noch Hoffnung für das Orthodoxe Konzil

Für viele ist das "Heilige Konzil" bereits jetzt gescheitert. Erich Leitenberger ist nicht so pessimistisch.

Es war als großes Zeichen der Zusammengehörigkeit gedacht: Gemeinsam sollten alle 14 Oberhäupter der orthodoxen Kirchen in der Kathedrale von Heraklion auf Kreta mit einer Göttliche Liturgie das Panorthodoxe Konzil eröffnen. "Zusammenzustehen", das wäre ein Zeichen, das angesichts der schwierigen Lage der Christen im Nahen Osten äußerst notwendig gewesen wäre. Doch mehrere Kirchen sagten ihre Teilnahme am Konzil kurzfristig ab. Dahinter stehen unter anderem Streitigkeiten über bestimmte Gemeinden  wie die rumänischen Christen im serbischen Timoktal, oder die vielen Syrer, Iraker, Libanesen und Palästinenser, die im Golfstaat Katar arbeiten.

 

Es geht um sogenannte kanonische Territorien, erklärt der Pressesprecher der Stiftung Pro Oriente Erich Leitenberger im Interview mit radio klassik Stephansdom. So habe das Patriachat in Jerusalem einen Metropoliten für Katar ernannt, doch betrachte auch das Patriachat von Antiochien Katar als sein kanonisches Territorium. Leitenberger: "Antiochien hat gesagt, wenn der Streit nicht geklärt wird, kommen wir nicht zum Konzil."

 

Mehr als nur ein Machtkampf

Viele Beobachter sehen hinter dem Zerbröckeln des Konzils einen Machtkampf zwischen dem ökumenischen Patriachat in Konstantinopel und dem Patriarchat von Moskau. Zuletzt hatte ja auch die russische Kirche ihre Teilnahme abgesagt. Erich Leitenberger meint jedoch, die "Bruchlinien verlaufen quer durch die Kirchen" - sowohl in Nahost, als auch in den slawischen Ländern und in den großen Gemeinden im Westen, etwa in den USA. So wird über die sechs im Jänner beschlossenen Entwurfstexte für das Konzil heftig diskutiert. Leitenberger nennt ein Beispiel: In allen orthodoxen Kirchen, besonders in der griechischen, habe sich eine relativ breite Diskussion unter Theologen entwickelt, die davon ausgehe, dass es außerhalb der orthodoxen Kirche keine "Kirchen" geben könne. Es könne höchstens Konfessionen und christliche Gemeinschaften geben. Sie seien - wie man in der kirchlichen Fachsprache sagt - "Häretiker oder Schimatiker", insbesondere auch die Katholiken.

 

Hoffnung auf Konzils-Dynamik

Die römisch-katholische Kirche hat - nach jahrhundertelangem Streit - am Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren die Orthodoxie als "Schwesterkirche" anerkannt. Zuletzt freute man sich über die Treffen von Papst Franziskus mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios oder jüngst mit dem Moskauer Patriarchen auf Havanna. In Teilen der Orthodoxie war man darüber weniger erfreut.

 

Aber es gibt in allen orthodoxen Kirchen auch starke Strömungen, die anders denken und für den Verlauf des Konzils zuversichtlich stimmen, weiß Leitenberger: "Die Hoffnung besteht, dass eine ähnliche Dynamik eintreten wird, wie sie auch beim Zweiten Vatikanischen Konzil in der katholischen Kirche eingetreten ist." Man dürfe nicht vergessen, auch damals gab es sehr detailliert ausformulierte Entwürfe, die dann von den in Rom versammelten Bischöfen beiseitegeschoben wurden. "Fromm gesprochen kann man sagen, das war das Eingreifen des Heiligen Geistes beim Konzil."

 

Der Heilige Geist am Konzil

Auf den Heiligen Geist kann man auch beim Konzil auf Kreta hoffen. Ab Montag starten die vermutlich lebhaften Debatten, freilich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und es könnte durchaus sein, so Leitenberger, dass das für eine Woche anberaumte Konzil verlängert oder zu einem späteren Zeitpunkt, unter anderen Bedingungen fortgesetzt wird.