Mit Blick auf die römisch-katholische Kirche kann sich die Orthodoxie ein Scheitern des Panorthodoxen Konzils, das ab Sonntag, 19. Juni 2016, auf Kreta stattfinden soll, eigentlich nicht leisten. Das betonte der Salzburger Ostkirchenexperte Dietmar Winkler in einem Interview der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen. Für ihn ist das Konzil auch eine Bewährungsprobe für das orthodoxe Kirchenmodell.
Die orthodoxe Kirche fordere als eine Bedingung für die Kircheneinheit mit Rom die Aufgabe der päpstlichen Primatsstellung und die Übernahme ihres Systems selbstständiger Kirchen unter einem "Primus inter Pares" (Erster unter Gleichen, Anm.), wie das der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel ist, erinnerte Winkler und fuhr fort: "Wenn die Orthodoxie nicht vorlebt, dass ein solches Kirchenmodell auch funktioniert, wie sollten die Katholiken darauf einsteigen können?"
Sehr skeptisch äußerte sich Winkler auch, ob beim Konzil überhaupt Fortschritte im Bereich der Ökumene zu erhoffen sind: "Von katholischer Seite würden wir uns natürlich eine Erklärung wünschen, die dem entspricht, was wir selbst beim Zweiten Vatikanum gegenüber der Orthodoxie festgestellt haben: Dass das auf gültige Weise eine Kirche ist. Ich denke aber, dass es derzeit eher nur zu einer vagen Erklärung käme."
Winkler erinnerte daran, dass beispielsweise der Moskauer Patriarch Kyrill I. von konservativen Kreisen aus seiner eigenen Kirche nach dem Treffen mit Papst Franziskus hart dafür kritisiert worden sei, sich mit einem "Häretiker" getroffen zu haben. "Vor diesem Hintergrund kann ich mir leider nicht vorstellen, dass er derzeit ein Dokument unterschreiben kann, das die Katholiken als Kirche bezeichnet", so Winkler. Alle orthodoxen Kirchen hätten vor Augen, "dass das, was auf einem Konzil beschlossen wird, ja auch von den Gläubigen zu Hause angenommen werden soll".
Während es im katholisch-orthodoxen Dialog von Seiten der katholischen Kirche vor allem um die Frage des Primats des Papstes geht, sehe die Orthodoxe Kirche darüber hinaus auch Unterschiede im Glauben, zum Beispiel bei der Dreifaltigkeit. Winkler: "In der bischöflichen Verfassung mögen uns die Orthodoxen näher stehen, aber bei der Art der theologischen Reflexion und auch im kulturellen Denken teilen wir mitunter mehr mit den Lutheranern und den reformierten Kirchen." Österreich sei aber vielleicht besonders: "Hier ist die Orthodoxie seit Jahrhunderten beheimatet und hat seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute eine sehr erfreuliche und ökumenisch aktive Rolle übernommen."