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02.06.2016
Erinnerung an Doyenne der Geschichte

Universität Wien erhält "Erika-Weinzierl-Saal"

Hörsaalbenennung im Gedenken an Doyenne der österreichischen Zeitgeschichte.

Mit der Einweihung des "Erika-Weinzierl-Saals" am 7. Juni 2016 im Hauptgebäude gedenkt die Universität Wien der Doyenne der österreichischen Zeitgeschichte. Die Historikerin und engagierte Katholikin leistete wichtige wissenschaftliche Beiträge zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert und prägte eine ganze Generation von Historikern. Weinzierl galt bis zu ihrem Tod 2014 als kritische Instanz und Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus und steht bis heute als Symbol für eine weltoffene und demokratische Gesellschaft.

Lange Zeit war Erika Weinzierl (1925-2014) die einzige Ordinaria im Fachbereich Geschichte in Österreich. Früher als viele ihrer Kollegen setzte sie sich bereits in den 1960er Jahren mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Antisemitismus auseinander und forderte ein selbstkritisches Nachdenken über den österreichischen Anteil am Holocaust. Weinzierl hat für die Zeitgeschichtsforschung sowohl in Österreich als auch international Bedeutendes geleistet. Bundespräsident Heinz Fischer würdigte die Historikerin anlässlich ihres Todes 2014 mit den Worten: "Sie war mutig, sie hat die Dinge beim Namen genannt und sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass unser Bild über den Nationalsozialismus der Wahrheit näher gerückt wurde".

Zeit ihres Lebens war Erika Weinzierl auch eine vielfältig engagierte "kritische Katholikin". Sie leistete an der Seite der Hochschulseelsorger Karl Strobl und Otto Mauer Pionierarbeit für die Katholische Hochschulgemeinde, war als Vizepräsidentin für den Katholischen Akademikerverband Österreichs tätig und gehörte viele Jahre dem christlich-jüdischen Arbeitskreis der Katholischen Aktion an. Kardinal Franz König würdigte Weinzierls Eintreten für eine "offene Kirche" schon vor dem Konzil. Damit habe sie mitgeholfen, das Bild vom Laien in der Kirche positiv zu bestimmen.

Beim Festakt zur Einweihung des "Erika-Weinzierl-Saals" (vormals Hörsaal 28) am 7. Juni um 11 Uhr im Hauptgebäude der Universität Wien sprechen u.a. Rektor Heinz W. Engl, der Zeithistoriker Oliver Rathkolb und der Literaturwissenschafter und Sohn, Ulrich Weinzierl