Mehr Ressourcen für die humanitäre Hilfe in Krisenländern haben österreichische Hilfswerke beim ersten Humanitären Weltgipfel ("World Humanitarian Summit") gefordert, der am Dienstag, 24. Mai 2016 in Istanbul zu Ende gegangen ist.
Weltweit und auch in Österreich sei "nicht nur gemeinsamer politischer Wille, sondern auch strategische Planung für humanitäre Hilfe" nötig, betonte Annelies Vilim, Geschäftsführerin des NGO-Dachverbandes "AG Globale Verantwortung", am Mittwoch in einer Aussendung. Flüchtlingsbewegungen würden auch dadurch entstehen, dass Menschen "zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel haben"; zu stoppen seien sie nur durch zusätzliche Hilfe vor Ort.
In Istanbul habe sie große internationale Solidarität erlebt, "wenn es darum geht, betroffenen Menschen kurz-, mittel- und längerfristig zu helfen", berichtete Vilim. Es bestehe aber eine große Differenz zwischen den benötigten Mitteln und deren Finanzierung. "Jeder Euro, der dafür eingesetzt wird, absehbare Flüchtlingsbewegungen durch aktive Hilfe vor Ort zu verhindern, hat seinen vielfachen positiven Effekt", so die Geschäftsführerin des Dachverbandes mit 35 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.
Sowohl für akute als auch für langandauernde Krisen - wie etwa in Syrien und seinen Nachbarländern - müssten derzeit dringend Ressourcen bereitgestellt werden. Auch auf vergessene Notsituationen, wie etwa im Ost-Kongo, und sich schon abzeichnende Katastrophen, beispielsweise in Folge der aktuellen Dürre in Ostafrika, gelte es rasch und mit ausreichenden Hilfsmitteln zu reagieren, appellierte Vilim: "Nur so können die lokalen und internationalen Hilfsorganisationen Vorbereitungen zum Überleben der Menschen vor Ort treffen."
Derzeit sind 124 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zu dem zweitägigen Treffen in Istanbul waren mehrere Tausend Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen in die Türkei gereist, unter ihnen 65 Staats- und Regierungsspitzen sowie UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.
Papst Franziskus mahnte die Weltführer in einer an den Gipfel gerichteten Botschaft zu humanitärem Einsatz. "Keine Familie darf ohne Zuhause bleiben, kein Flüchtling ohne Willkommen, kein Mensch ohne Würde, kein Verwundeter ohne Hilfe, kein Kind ohne Kindheit, kein junger Mann, keine junge Frau ohne Zukunft, kein betagter Mensch ohne Alter in Würde", schrieb er in dem Text, der vom vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zum Auftakt der Konferenz verlesen wurde.
Freude über neuen Bildungsfonds
Mit Freude hat das Hilfswerk "Jugend Eine Welt" am Mittwoch auf den in Istanbul beschlossenen neuen Bildungsfonds für Kinder in Krisengebieten reagiert. Der 3,43 Mrd. Euro schwere Fonds "Education cannot wait" der Internationalen Gemeinschaft soll in den kommenden fünf Jahren die Situation von zumindest 13,6 Millionen Kindern verbessern. Insgesamt haben den Angaben zufolge rund 75 Millionen Kinder und Jugendliche in Krisengebieten keine Chance auf ausreichende Bildung.
"Bildung kann nicht warten, bis Bürgerkriege und Notsituationen vorüber sind", verdeutlichte J1W-Vorsitzender Reinhard Heiserer. Millionen Kinder und Jugendliche würden derzeit jedoch jahrelang - manche ihre gesamte Kindheit - in Flüchtlingslagern ausharren, und das Recht auf Bildung sei ihnen von der Internationalen Gemeinschaft bisher weitgehend verwehrt geblieben: Nur zwei Prozent der weltweiten humanitären Hilfsgelder seien für Bildungsmaßnahmen verwendet worden.
Angesichts dieser Ausgangslage sei der nun beschlossene Fonds "umso wichtiger", so Heiserer; zu hoffen sei, "dass die versprochenen Gelder auch bei besonders benachteiligten Kindern wie Kindern mit Beeinträchtigungen, Waisenkindern oder Straßenkindern ankommen". Innovative bei der Vermittlung von Bildung in Krisengebieten empfahl "Jugend Eine Welt" besonders; so seien etwa in Ebola-Zeiten in Sierra Leone Bildungsprogramme über das Radio ausgestrahlt worden. Ebenso wichtig sei es, das Bildungs-Thema auch in der Nothilfe "generell viel ernster" zu nehmen.