Papst Franziskus macht "den Götzen Geld, den Götzen Macht" für humanitäre Notlagen verantwortlich. Hinter anhaltenden Konflikten und der Vertreibung von Menschen und Völkern stünden vielfach militärische, wirtschaftliche und geopolitische Strategien, heißt es in einer Botschaft des Papstes an den UN-Gipfel für humanitäre Hilfe, der derzeit in Istanbul stattfindet. Zugleich ruft Franziskus dazu auf, die Arbeit derjenigen zu würdigen, die sich Opfern von Krieg und Katastrophen sowie Flüchtlingen zuwenden.
"Keine Familie darf ohne Zuhause bleiben, kein Flüchtling ohne Willkommen, kein Mensch ohne Würde, kein Verwundeter ohne Hilfe, kein Kind ohne Kindheit, kein junger Mann, keine junge Frau ohne Zukunft, kein betagter Mensch ohne Alter in Würde", schreibt Franziskus in dem Text, der am Montag, 23. Mai 2016 vom vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf der Konferenz verlesen wurde.
Eine "Herausforderung für diesen Gipfel" sei, sich von Opfern und Notleidenden eine "Lektion in Menschlichkeit" erteilen zu lassen, so Franziskus weiter. Nötig sei ein Wandel des Lebensstils, "der Politik, wirtschaftlicher Entscheidungen, Verhaltensweisen und Haltungen einer kulturellen Überlegenheit". Der Papst schloss: "Wenn wir von den Opfern und den Leidenden lernen, können wir eine humanere Welt aufbauen."
Auf Einladung von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon findet in Istanbul noch bis Dienstag ein erster "Weltgipfel für humanitäre Hilfe" statt. Unter den rund 5.000 Konferenzteilnehmer sind etwa 70 Staats- und Regierungschefs. Ziel des Treffens am Bosporus ist nach Angaben der UNO, Strategien zur Linderung der weltweiten humanitären Not zu entwickeln.
Schon zum Auftakt des UN-Gipfels hatte Kardinalstaatssekretär Parolin im Namen des Vatikans auf dem UN-Gipfel zu Abrüstung aufgerufen. Beim Aufbau stabiler Staaten müssten statt militärischer Lösungen umfassende Entwicklung und der Kampf gegen Konfliktursachen im Vordergrund stehen, sagte er in einem Statement zum Beginn des Treffens. In dem Sinn setze sich der Heilige Stuhl über eine "formelle und informelle" Diplomatie für Friedenslösungen ein, betonte der Chefdiplomat des Papstes.
Abrüstung spiele eine wichtige Rolle, um ein friedliches Zusammenleben der Staaten zu sichern, sagte Parolin laut dem italienischen Pressedienst SIR. Neben einem Abbau von Kernwaffenarsenalen und dem Verbot des Handels mit nuklearem Material gehe es auch um einen Bann gegen Anti-Personen-Minen und Streumunition. Weiter verlangte der Kardinal eine stärkere Erziehung zu Frieden und Inklusion; dies sei notwendig zur Konfliktvermeidung, sagte Parolin.