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19.05.2016

Schöpfung schützen

Fragen an den Theologen Roland Zisser von der ARGE Schöpfungsverantwortung.

 

Haben Christen für die Erhaltung der Schöpfung in ihrer Vielfalt eine besondere Verantwortung?

 

Roland Zisser: Christen wissen sich – wie alle anderen religiösen Menschen auch – von Gott in Verantwortung genommen. Selber als Geschöpfe Gottes existierend, wissen wir uns mitverantwortlich für die ganze Schöpfung, in all ihrer Vielfalt, in all ihrer Schönheit und in all ihrer Unvollkommenheit. Die gesamte Schöpfung liegt „in Geburtswehen“ (Röm 8) und wir als von Gott durch die Taufe und durch Pfingsten Berufene haben sie zu schützen, zu bewahren, zu retten und ihr zur Entfaltung zu helfen. Darin u. a. besteht unsere „Gottesebenbildlichkeit“.

 

 

Was kann jede/r von uns tun, um die biologische Vielfalt zu bewahren?

 

Roland Zisser: Im Kleinen hat jede/r einfach auf ihren/seinen Lebensstil zu achten. Anfangen muss man grundsätzlich bei sich selber. (Aus diesem Grund hat die ARGE Schöpfungsverantwortung 2002 das Lebensstilprojekt „Bilanzen der Gerechtigkeit“ ins Leben gerufen.) Das heißt: Ich selber muss auf meine Energiebilanz achten, auf meinen ökologischen Fußabdruck schauen, mein Mobilitätsverhalten auf Nachhaltigkeit überprüfen und – ganz wichtig – meine Ernährungsgewohnheiten umstellen.

 

Was können Pfarrgemeinden und Bildungshäuser  konkret tun?

 

Roland Zisser: Gerade jetzt finden viele Pfarrfeste statt. Da  müssen die Gemeinden sich selber hinterfragen: Was bieten wir zum Essen an? Fleisch aus Massentierhaltung, damit es billig kommt und mehr Gewinn rausschaut „für den guten Zweck“? Woher kommt das Getreide für Brot und Semmeln, woher der Wein? Ist sicher alles „bio“? Und Fair-Trade beim Pfarrcafé? Feiern wir mit Bio-Hostien oder ist selbst bei der „Heiligen Kommunion“ egal, wie sie produziert wurde? Verwenden wir Kerzen in Aluminiumbehältern, bei deren Produktion wahrhaft „über Leichen gegangen“ wird?

 

Es geschieht noch viel zu wenig, auch bei der Information und Motivation. Von den Bildungshäusern würde ich mir mehr Vorträge und Seminare wünschen.

Sehr hilfreich wäre die Unterstützung der Arbeit an der Basis durch die Bischöfe - durch konkrete Maßnahmen, nicht nur durch Hirtenworte. Ich erwarte mir von den Bischöfen in Wahrnehmung ihrer prophetischen Verantwortung ein offenes und öffentliches Widerstehen ins Angesicht der Politik, die die biologische Vielfalt nur allzu gerne und leichtsinnig dem Kapital opfert.