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18.05.2016

Wo war Gott, wo war der Mensch?

Bruchstücke zu einer Theologie nach Auschwitz, vorgelegt von Jan-Heiner Tück.

Beim Propheten Sacharja gibt es das Wort: „Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an“ (Sach 2,12).

 

In seinem Buch „Gottes Augapfel. Bruchstücke zu einer Theologie nach Auschwitz“ (Herder-Verlag) betont der Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück die bleibende theologische Würde Israels, des erwählten Gottesvolkes, denn: „Wer Israel angreift, tastet Gott selbst an.“

 

In vier Abschnitten entfaltet Tück seine Bruchstücke, die in Summe eine faszinierende Theologie ergeben. Rabbiner Walter Homolka hat dazu ein einfühlsames Geleitwort verfasst.


Tück stellt sich dem Gespräch mit der Lyrik von jüdischen Dichterinnen und Dichtern wie Rose Ausländer, Hilde Domin oder Paul Celan. Dabei ist die Rede vom Schweigen Gottes und von der Trauer um die Toten, von Revolten und Hoffnungssplittern.


In dem Abschnitt „Theologie nach Auschwitz“ tauchen die denkbaren Fragen nach einer Ohnmacht Gottes und nach der Möglichkeit, dass Gott (mit)leiden kann, auf.

 

Zugleich zeigt Tück nachdrücklich, dass das Alte Testament im christlichen Kanon bleiben muss.


Im schwierigsten Abschnitt wird die „Hoffnung auf Versöhnung“ thematisiert.

 

Kann das Unverzeihbare überhaupt verziehen werden und gibt es am Ende eine Versöhnung? Was dann, wenn die Täter – im Fegefeuer – doch bereuen? Da bleibt viel Gott anheimgestellt.


Im vierten Abschnitt „In der Spur des Konzils“ würdigt Tück die bahnbrechende Leistung des Konzils-Dokument Nostra Aetate.

 

Auf die religionskritische Frage „Wo war Gott?“ (in Auschwitz) müsse die Frage folgen: „Wo war der Mensch?“, wie Papst Franziskus in Yad VaShem in Jerusalem am 26. Mai 2014 sagte.