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Der Sonntag
12.05.2016

Gelebte Barmherzigkeit: „Ich lasse mich nicht um den Finger wickeln“

Dietmar Koschier unterstützt haftentlassene Menschen in Wien-Mariahilf.

Ich habe schwere Zeiten hinter mir“, schildert Dietmar Koschier. Sinn- und Lebenskrisen begleiteten ihn in jungen Jahren, gefolgt vom Schulabbruch.

 

 

Nach der Matura in der Abendschule, beginnt er in Linz Theologie zu studieren, später wechselt der Niederösterreicher nach Graz  für Germanistik, dann nach Wien zur  Literaturwissenschaft.

 

Koschier will nicht nur studieren sondern „aufgrund der immer wieder auftretenden Depressionen, etwas für meine Persönlichkeitsbildung tun“.

 

Eine Bekannte motiviert ihn, „Dienst an der Gesellschaft“ zu leisten. Bei einem Infoabend der Caritas erfährt er vom Verein Integrationshilfe der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien.


„Mich hat auch interessiert, was das für Menschen sind, die eine Haftstrafe hinter sich haben?

 

In welcher Lebenssituation sind sie?“

 

Nach einem Aufnahmegespräch startet sein Engagement im Wohnheim in Mariahilf. „Dienstag ist Putztag, Einkäufe gilt es zu erledigen, Samstags wird gekocht.“

 

In den Begegnungen mit den Bewohnern erlebt er Unterschiedliches: „Es gibt Leute, die sich in bewundernswerter Weise mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, die ehrlich mit sich ins Gericht gehen.

 

Aber es gibt auch wehleidige Charaktere, die Ausreden suchen und sich nicht weiterentwickeln.“

 

Eines ist für ihn klar: „Ich lasse mich nicht um den Finger wickeln“, hat er sich eine Strategie „gegenüber Betrügern“ zu Recht gelegt, „denn die können sehr höflich sein.“

 

Die Probleme der Heimbewohner nimmt sich Koschier nicht mit: „Distanz muss aber bei aller Barmherzigkeit sein.“