Sonntag 17. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

Der Sonntag
12.05.2016

„Wer stickt, sündigt nicht“

Kaiserin Maria Theresia war Stifterin und Mitherstellerin kostbarer Messgewänder - eine Ausstellung

Textilien kommen heute einem Wegwerfprodukt gleich. Oft unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert, können sie billig erworben werden.

Das Reparieren beschädigter Kleidung gilt als passé.

 

 

In eine Kontrast-Welt zum heutigen Konsumdenken führt die aktuelle Ausstellung „Gottes Lob. Kirchliche Textilien aus der Zeit Maria Theresias“ der Kaiserlichen Schatzkammer Wien.


Recyceltes Hochzeitsgewand

Die Schau in der Alten Geistlichen Schatzkammer präsentiert bis 7. November  wertvolle liturgische Gewänder aus der Sammlung der Schatzkammer, aufwendigst bestickt und aus kostbarsten Ausgangsmaterialien wie Seide oder früheren herrschaftlichen Gewändern hergestellt.

 

Die u. a. vom Kaiserhaus gestifteten edlen Messgewänder geben Zeugnis von der Pietas Austriaca, der Frömmigkeit des Hauses Österreich.

 

Besonders Maria Theresia (1717-1780) trat als Stifterin von Paramenten hervor. Die Hofburgkapelle, die Sommerresidenz-Kapellen von Schönbrunn, Laxenburg oder Hetzendorf sowie die Augustinerkirche wurden mit textilem Dekor ausgestattet.

 

„Maria Theresia widmete sich mit ihren Hofdamen auch selbst der Handarbeit“, erklärt Ausstellungskuratorin Katja Schmitz-von Ledebur: „Das persönliche Interesse der Kaiserin an textilen Arbeiten, gepaart mit ihrer tiefen Frömmigkeit und einem Hang zur Repräsentation, war ein idealer Nährboden für die Entstehung prachtvoller Ornate“.

 

So finden sich von der Kaiserin persönlich angefertigte Handarbeiten auf den Ornaten. „Wer stickt, sündigt nicht“, habe dabei das Motto der Regentin gelautet.

 

Auf die Wiederverwendung edler Herrscher-Gewänder wurde Wert gelegt. Die „goldstuckene“ Hochzeitsweste von Maria Theresias Gatten Franz I. Stephan wurde für eine Kasel mit floralem Dekor recyclet.  

 

Den barocken Messgewändern finden sich in der Ausstellung Paramente des zeitgenössischen Künstlers Christoph Cremer gegenübergestellt. Sein Motto, ganz dem II. Vatikanum folgend: „Nichts kann wertvoll genug sein, um den Gottesdienst zu schmücken.“