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Der Sonntag
21.04.2016

Wo brennt die Leidenschaft des Anfangs? (Joh 13, 31-33a; 34-35)

Beate Mayerhofer-Schöpf: Evangeliumsauslegung zum 5. Sonntag der Osterzeit (24.4.2016)

Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern (Evangelium).

 

 

Als Gebot gibt er ihnen mit, so zu lieben, wie sie von ihm geliebt worden sind.

 

Einen Niederschlag dieser Liebe finden wir in der ersten Lesung.

 

Man spricht einander Mut zu, empfiehlt sich gegenseitig der Gnade Gottes, berichtet über alles, was Gott mit ihnen zusammen getan hat.

 

Begeisterung und Gottvertrauen sprechen aus diesen Zeilen der Apostelgeschichte.


Manchmal frage ich mich, ob die Leidenschaft des Anfangs nicht über die Jahrhunderte viel geringer geworden ist.

  • Haben sich die Menschen so sehr geändert, dass die Botschaft heute nicht mehr ankommt?

  • Gibt es nur noch wenige, die bereit sind, so zu leben und zu denken wie Jesus?

  • Ist es für viele nicht mehr attraktiv, am Reich Gottes zu bauen?

 

Dann stünden wir auf sehr einsamem Posten…


Damals in Jerusalem war es nur eine kleine Schar, die weder besonders gebildet noch recht mächtig war. Sie bewegte nicht die ganze Welt, sondern sie hinterließ Spuren an etlichen Orten der Welt.

 

Ihre Lehre war nicht wissenschaftlich abgesichert. Und ihre Predigt war vermutlich auch nicht „zeitgemäßer“ als unsere.


Auch diese Schar brauchte Ermutigung: Der Seher Johannes beschreibt in Bildern das Ziel, auf das wir zugehen und das sich im Reich Gottes jetzt schon zu verwirklichen beginnt:

 

Jede/r hat direkten Zugang zu Gott, es bedarf keiner „Mittelsmänner“. ER wischt die Tränen von unseren Augen. Tod, Trauer, Klage und Mühsal werden nicht mehr sein – denn: „Seht, ich mache alles neu!“ (2. Lesung)


Genau das ist unser Auftrag als Gemeinde: Diese frohe Botschaft zu verkünden und erlebbar zu machen – mit anderen Worten: Reich Gottes zu leben.

 

Was passiert aber, wenn wir als Gemeinde zum Selbstzweck werden? Wenn wir unsere Aufmerksamkeit vor allem darauf richten, unseren eigenen Fortbestand zu sichern? Dann verwechseln wir uns selbst mit unserem Auftrag.


Auf die Spur Jesu bringen uns Fragen wie:

  • Welche „Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Ängste“ nehme ich bei den Menschen meiner Umgebung wahr?
  • Welche Tränen gilt es abzuwischen?
  • Wer quält sich da mit Tod, Trauer, Klage und Mühsal?
  • Wer möchte sehen lernen, wie ER schon in unserer Nähe wohnt?

 

Aus dieser Perspektive lässt sich fragen:

  • Worin liegen für uns – als Gemeinde – die spezifischen Aufträge und Dienste?
  • Wie muss unsere Gemeinde „gebaut“ sein, dass wir diesen Auftrag – nicht nur für uns, sondern auch für andere – erfüllen können?

Dort, denke ich, brennt die Leidenschaft des Anfangs.