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St. Gabriel Verlag
14.04.2016

Alt – aber nicht out

Religiöse Begleitung im Alter verspricht der neue ökumenische Behelf „Wachsen ein Leben lang“.

Altern, das bedeutet, freuen an der erworbenen Lebenserfahrung, an der Weisheit, die mit dem Alter kommt. Freuen aber auch an dem, was ich erreicht habe, was mich ausmacht, was ich bin.“

 

Beatrix Auer, Leiterin des Fachbereichs Seniorenpastoral in der Erzdiözese Wien, hat ein positives Bild vom Altern.

 

„Meine Erfahrung ist, dass es sehr, sehr viele alte Menschen gibt, die gerne alt sind und die in ihrem Alt-Sein unheimlich viel zu geben haben.“

 

Ihr tue es immer unendlich leid, wenn sie sehe, dass das Altern heute gesellschaftlich gar nicht gut besetzt ist. Alles Mögliche habe doch einen Wert in unserer Gesellschaft – der erste zu sein oder der schnellste. Aber alt und lebenserfahren?

 

 

„Vielfach hängt das bestimmt damit zusammen, dass wir vor dem Alter Angst haben“, so Beatrix Auer: „Wir sehen Krankheiten, Einsamkeit, den Verlust von Selbständigkeit – einfach immer nur die Defizite, die das Alter mit sich bringt und gar nicht mehr auf die positiven Aspekte.“

Wertvolle Lebensphase

Diese positiven Aspekte will nun der Behelf „Wachsen ein Leben lang“ einmal mehr betonen und Menschen in ihrem Alt-Sein auch unterstützten.

 

„Diese rüstigen Senioren, die mir tagtäglich begegnen – die zu bestärken, ist sicherlich eine Aufgabe der Gesellschaft, aber vor allem auch der Kirche“, sagt Beatrix Auer.

 

Entstanden ist der Behelf in Zusammenarbeit des Fachbereiches Seniorenpastoral Wien und des Geriatriereferates der evangelischen Kirche Wien.

 

Auf mehr als 45 Seiten werden Themen wie

  • „Der Samen keimt und wächst“,
  • „Mein Wachsen mit Gott“ oder
  • „Wachsen im Glauben – das Beispiel Maria“

behandelt.

 

Es gibt

  • Impulstexte,
  • Gebete
  • oder zum Thema passende Lieder.

 

„Zielgruppe sind jene Menschen, die in den Pfarren mit den Senioren arbeiten. Die Seniorenrundenleiter und -leiterinnen, die viel Zeit und Arbeit investieren und immer auf der Suche nach Ideen sind, ihre Seniorenrunden noch attraktiver zu gestalten“, so Beatrix Auer.

 

Aber nicht nur sie: Auch alte Menschen, die religiöse Begleitung im Alltag suchen, werden hier fündig.

 

Großeltern etwa finden in dem Behelf Anregungen, wie sie mit den Enkelkindern ins Gespräch über den Glauben kommen.

 

Außerdem finden sich in jedem Heft auch Anregungen für die Arbeit mit Menschen mit Demenz.


„Wachsen“ ist dabei nur das erste von vier geplanten Heften. „Reifen“, „Ernten“ und „Säen“ werden die nächsten Ausgaben heißen.

Faszinierende Großeltern

Generell wünscht sich Beatrix Auer einen positiveren Blick der Gesellschaft auf das Alter.

 

„Ich glaube, es täte uns allen gesellschaftlich gut, mehr und vor allem wohlwollender auf ältere Menschen zu schauen.

 

  • Und zwar auf das, was sie uns geben können und nicht auf das, was sie aufgrund ihres Alters nicht mehr leisten können.“


Und wie kann das geschehen? „Ich glaube, es ist wichtig von klein auf anzufangen – also viel auf intergenerationelle, auf intergenerative Projekte zu setzen“, so Beatrix Auer.

 

Großeltern etwa könnten enorm viel zum positiven Verständnis von Alter beitragen. „Wer viel mit dem Opa oder der Oma spielt und sie als lebenslustige Menschen erlebt, hat ein ganz anderes Bild vom Alter.

 

Alt – das sind dann nicht mehr die, die langsam sind und nicht mehr so mitkönnen, sondern die, die Zeit haben, die ungewöhnliche Ideen haben oder die, die einfach da sind, Geschichten erzählen oder den Jungen beim Erzählen zuhören.“


Gerade wenn man auf Ältere schaue, sei es eine Aufgabe der Kirche, genau den Menschen zu sehen. „Ich glaub, man kann als Kirche durchwegs lernen, dass jeder von uns, wie es auch Martin Buber sagt, ein Du braucht, um zum Ich zu werden.

 

Das zeigen uns ältere, gebrechliche, pflegebedürftige Menschen in einer ganz speziellen Form.“